Der Standpunkt

Nicht mehr als ein erster Schritt

Der Startschuss für die neue Gesundheitskarte ist gefallen. Die niedergelassenen Ärzte haben überraschend gut mitgespielt und überwiegend neue Kartenleser gekauft. Doch damit ist nur die erste Hürde übersprungen, die eigentlichen Probleme kommen noch, meint Hauke Gerlof.

Veröffentlicht: 30.09.2011, 05:00 Uhr

Der Autor ist stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Wirtschaft der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihm: hauke.gerlof@ springer.com

Große IT-Projekte haben oft die unangenehme Eigenschaft, dass sie sich in die Länge ziehen. So ist es auch bei der elektronischen Gesundheitskarte (eGK), die eine datensichere elektronische Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen bringen soll.

Mit fünfjähriger Verspätung startet die Ausgabe der Karte an die Versicherten - und alle Beteiligten wissen, dass nur ein Torso ausgeliefert wird. Die neue Karte wird zunächst nur eine Ausweisfunktion für die Versicherten haben, so wie die KVK heute auch.

Immerhin ist der erste Schritt getan. Die Ärzte haben trotz aller vorher geäußerten Kritik mitgespielt. Die große Mehrheit nimmt, wie die Zahlen der gematik belegen, die Förderpauschale für die Kartenleser in Anspruch - mit einer Abdeckung von 90 Prozent der Praxen hätte das Ergebnis kaum klarer ausfallen können.

Wenn Patienten mit der eGK in die Praxen kommen, wird es also kaum Probleme beim Einlesen der Daten geben. Der Anteil der Gegner der eGK ist geringer als erwartet, die Ärzte an der Basis haben offenbar tendenziell ein pragmatischeres Verhältnis zur Karte als viele ihrer Vertreter.

Das heißt aber noch lange nicht, dass damit das Projekt der eGK nun automatisch ein Erfolg wird. Die eigentliche Bewährungsprobe folgt erst in den kommenden Jahren.

Wenn die Mehrwertanwendungen wie der Online-Stammdatenabgleich für die Krankenkassen sowie der Notfalldatensatz und die elektronische Arzt-zu-Arzt-Kommunikation, die von den Ärzten entwickelt werden, live geschaltet werden, dann müssen zwei Herausforderungen gemeistert werden: Die Technik muss praxistauglich sein und vor allem müssen die Initiatoren des Projekts Ärzte und Patienten überzeugen, dass ihre Daten in dem System sicher aufgehoben sind.

Es muss klar sein, dass die medizinischen Vorteile die Risiken, die immer mit einer Online-Kommunikation verbunden sind, überwiegen.

Hier ist Kommunikation mit Fingerspitzengefühl gefragt. Wenn das erreicht wird, dann könnte aus der eGK am Ende das werden, was sie schon lange sein sollte: die Voraussetzung für eine reibungslose Kommunikation im Gesundheitswesen. Wenn nicht, wird sie doch noch ein teurer Flop.

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