Zweitmeinung

Noch längst nicht Standard

Wenn es um Komplikationsraten bei definierten Eingriffen geht, müssen sich rheinländische Kliniken im Vergleich zum Rest der Republik nicht verstecken. Die AOK liefert Daten - und fordert Patienten auf, stärker Zweitmeinungen einzuholen.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Arbeit im Op: die Versorgungsqualität in den Kliniken des Rheinlands hat sich nach AOK-Daten deutlich verbessert.

Arbeit im Op: die Versorgungsqualität in den Kliniken des Rheinlands hat sich nach AOK-Daten deutlich verbessert.

© Rose

KÖLN. Zweitmeinungen sollten bei planbaren Eingriffen eine deutlich größere Rolle spielen als bisher, findet Rolf Buchwitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg. Er begrüßt, dass dieses Instrument durch das Versorgungsstärkungsgesetz an Bedeutung gewinnen soll.

Die AOK Rheinland/Hamburg bietet ihren Versicherten seit dem vergangenen Jahr an, vor einem geplanten orthopädischen Eingriff eine zweite Meinung bei einem Klinikarzt oder einem niedergelassenen Arzt einzuholen.

Ziel ist es, die Mengendynamik in diesem Bereich abzufedern. Das Angebot werde zwar angenommen, aber bei Weitem noch nicht genug, sagt Buchwitz. "Ich würde mir wünschen, dass unsere Versicherten stärker eine Zweitmeinung einfordern."

Daten aus 141 Kliniken ausgewertet

Erfreut ist der AOK-Vorstand über die Tatsache, dass sich die Versorgungsqualität in den Kliniken des Rheinlands in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert hat. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK Rheinland/Hamburg von Routinedaten aus insgesamt 141 Krankenhäusern.

Einbezogen waren die Daten von 64 500 Patienten aus den Jahren 2010 bis 2012. Im Fokus der risikoadjustierten Untersuchung stand die Komplikationsrate bei definierten Eingriffen. Die Ergebnisse der Auswertung fließen in den bundesweiten Krankenhausnavigator des AOK-Bundesverbands ein.

"Die Ergebnisse der rheinischen Krankenhäuser sind besser als im Bundesdurchschnitt, aber die Anzahl der Häuser mit einer überdurchschnittlichen Qualität ist geringer", nennt Buchwitz ein Ergebnis der Auswertung. Damit ist die Spreizung zwischen den einzelnen Kliniken im Rheinland niedriger als anderswo. "Dennoch gibt es nach wie vor sehr große Qualitätsunterschiede zwischen den Häusern."

Nach der Auswertung ist die Zahl der rheinischen Kliniken, die eine "überdurchschnittliche Qualität" erreichen, im Vergleich zu den vorherigen Untersuchungszeiträumen gestiegen. Gleichzeitig ging die Zahl der Häuser mit "unterdurchschnittlicher Qualität" zurück.

Die Indikationen elektive Hüftendoprothesen-Erstimplantation, Knieendoprothesen-Erstimplantation, Hüftoperation nach Hüftfraktur, Gallenblasenentfernung bei Gallenstein und Therapeutischer Herzkatheter bei Patienten ohne Herzinfarkt werden von der AOK Rheinland/Hamburg schon seit Längerem anhand der Routinedaten einer Qualitätsprüfung unterzogen. Erstmals einbezogen waren für die Jahre 2010 bis 2012 Appendektomien.

Dieser Eingriff ist jetzt auch Teil des Krankenhausnavigators des AOK-Bundesverbands. Die Auswertung der Daten von 103 000 AOK-Versicherten, denen 2010 bis 2012 in 946 Kliniken der Blinddarm entfernt wurde, ergab eine Komplikationsrate von 5,69 Prozent.

Bei 3,6 Prozent der Appendektomien wurde innerhalb von 90 Tagen ein ungeplanter Folgeeingriff notwendig, bei 4,2 Prozent kam es zu allgemeinchirurgischen Komplikationen. 0,3 Prozent der Patienten starben innerhalb von 90 Tagen.

AOK setzt auf Transparenz

Solche Informationen seien den Krankenhäusern häufig unbekannt, sagt Buchwitz. Deshalb suche die AOK Rheinland/Hamburg auf Basis der Auswertungen der Routinedaten das Gespräch mit den Häusern. Die Daten zeigten den Kliniken, wo sie im Vergleich zu anderen stehen. "Wir stellen die Krankenhäuser nicht an den Pranger", betont er.

Ziel der AOK sei es, mit Angeboten wie dem Krankenhausnavigator Transparenz zu schaffen. "Wir wollen die Gesundheitskompetenz der Versicherten stärken und damit die Eigenverantwortung."

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