Kliniken in der Krise

Operationsfeld Krankenhaus

Jedes zweite Krankenhaus steht mit dem Rücken zur Wand. Sorge bereitet die mangelnde Investitionsfähigkeit. Vier von fünf Kliniken befinden sich in einem Restrukturierungsprozess - gegen Widerstände der Mitarbeiter.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Trotz steigender Umsätze hat fast die Hälfte der Krankenhäuser 2014 ihr Planziel nicht erreicht. Nur noch 53 Prozent schreiben schwarze Zahlen, 26 Prozent sind defizitär.

Die Erwartungen für 2015 sind pessimistisch. Nur noch 46 Prozent rechnen mit einem Überschuss.

Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Roland-Berger-Restrukturierungsstudie 2015 hervor, die auf einer Umfrage unter 400 Geschäftsführern und Vorständen von Kliniken basiert.

Danach steigt der Anteil der Kliniken, deren Liquidität als kritisch eingestuft wird, von 29 auf 36 Prozent in diesem Jahr.

Wenig Erwartung an Strukturfonds

Besonders negativen Einfluss hat danach die Gesundheitspolitik, den 86 Prozent der Manager als schädlich bewerten. Als Folge dessen erwarten 92 Prozent der Befragten für die nächsten fünf Jahre eine weitere Verschlechterung.

Nur von zwei gesundheitspolitischen Initiativen werden positive Auswirkungen erwartet: qualitätsorientierte Vergütung (56 Prozent) und Veröffentlichung von Qualitätsdaten (38 Prozent) sehen darin einen relevanten Beitrag.

Von der Einführung des geplanten Strukturfonds erwarten die Manager wenig.

Die Folge: Investitionen - wenn sie denn überhaupt möglich sind - werden konzentriert: im Wesentlichen auf Leistungsbereiche mit einem hohen Anteil älterer Patienten, so in der Geriatrie, Kardiologie und Neurologie.

58 Prozent der Krankenhaus-Chefs sind allerdings der Meinung, dass sie nicht in ausreichendem Maß investieren. Ursächlich dafür seien unzulängliche Fördermittel und unzureichende Einnahmen aus laufendem Betrieb.

Die Folge ist, dass sich 72 Prozent der Krankenhäuser in einem Restrukturierungsprozess befinden. 87 Prozent der Manager halten dies sogar für eine Daueraufgabe. Hierbei geht es nicht um Kosmetik, sondern ganz überwiegend (73 Prozent) um tief greifende strukturelle Veränderungen.

Umstrukturierungen treffen Ärzte und Pfleger

An vorderster Stelle (92 Prozent) stehen Erlösverbesserungen. Kosteneinsparungen betreffen in erster Linie medizinischen und nicht medizinischen Sachbedarf (68 und 59 Prozent), gefolgt von Personaleinsparungen (43 Prozent).

Die Umstrukturierungen werden Ärzte und Pflegepersonal direkt treffen. Als Bereiche mit den größten Potenzialen zur Ergebnisverbesserung werden die Medizin - Personaleffizienz und Auslastung - sowie medizinische Dienstleistungen wie Intensivstationen, Operationsbereich, Labor und Radiologie genannt.

Als größte Herausforderung nennen die Manager die Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen. 73 Prozent sehen Widerstände bei Mitarbeitern als relevantes Problem, 65 Prozent nennen eine zu geringe Geschwindigkeit.

Wichtigste Erfolgsparameter bei der Umsetzung sind die Unterstützung durch Führungskräfte und Mitarbeiter (92 Prozent), umfassende Kommunikation über Ziele und erreichte Fortschritte (70 Prozent) und klare Zielvorgaben (65 Prozent).

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