Grüße aus Babel

Patienten verstehen Ärzte oft nicht

Immer mehr Patienten greifen auf die Beratung durch Ombudsleute zurück. Der Hauptgrund: Kommunikationsprobleme mit Ärzten. Das kann sich auch negativ auf den Behandlungserfolg auswirken.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Am häufigsten beschweren sich Patienten über die Kommunikation mit dem Arzt, zeigen Daten des Patientenombudsvereins.

Am häufigsten beschweren sich Patienten über die Kommunikation mit dem Arzt, zeigen Daten des Patientenombudsvereins.

© mangostock / istockphoto

BAD SEGEBERG. Kommunikationsprobleme mit den Patienten erhöhen den Bedarf an Beratung und Schlichtung im Gesundheitswesen.

Der Patientenombudsverein Schleswig-Holstein verzeichnete im vergangenen Jahr einen Anstieg der Beratungen um ein Drittel, die Anfragen an die Pflegeombudsfrau nahmen sogar um fast 50 Prozent zu.

Insgesamt erreichten die Patientenombudsleute im vergangenen Jahr 1414 Anfragen, die Pflegeombudsfrau wurde 205 Mal um Rat gebeten. Diese Zahlen nennt der Verein in seinem aktuellen Jahresbericht für 2011.

Ganz oben in der Liste der Beschwerdegründe stehen kommunikative Probleme der Patienten mit niedergelassenen Ärzten, mit Krankenkassen und mit Kliniken. Fast 400 Mal schalteten Patienten den Verein wegen kommunikativer Mängel ein, davon in 189 Fällen nach einem Praxisbesuch.

Von "alarmierenden Zahlen", sprach Heide Simonis, Vorsitzende des Vereins Patientenombudsmann/-frau Schleswig-Holstein.

Sprache zu kompliziert?

"Wenn das Gespräch zwischen Arzt und Patient nicht beide Seiten zufriedenstellt, bleibt meist auch die Behandlung wenig erfolgreich", sagte die frühere Ministerpräsidentin des Landes.

Patienten wünschten sich in erster Linie, dass der Arzt mit ihnen in einer verständlichen Sprache spreche, ihnen zuhöre und Interesse für sie zeige.

Simonis betonte, die vier Patientenombudsleute des Vereins strebten eine Schlichtung an und sprächen dafür stets mit beiden Seiten. Das Arzt-Patienten-Verhältnis könne aber nur so gut sein wie das Gesundheitssystem an sich.

Auf Platz zwei der Beschwerdegründe standen Verordnungen (226 Mal), gefolgt vom Verdacht auf Behandlungsfehler (221). Auch rechtlicher Beistand (174) und Abrechnungsfehler (136) waren häufige Beschwerdegründe.

79 Patienten waren unzufrieden mit organisatorischen Abläufen der medizinischen Leistungserbringer, Hauptgrund: Wartezeiten.

Viele Akteure des Gesundheitswesens im Norden, sowohl von ärztlicher als auch von Kassenseite, tragen den 1996 gegründeten Verein.

Zu ihnen zählen aber auch soziale Einrichtungen wie das Deutsche Rote Kreuz. Im November 2011 hat Heide Simonis den Vorsitz übernommen.

Mehr zum Thema

Urteil zur Arztbewertung

Bundesgerichtshof: Jameda darf zahlende Ärzte besser stellen

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Zeitgenössischer Kupferstich von William T. G. Morton und Kollegen im Massachusetts General Hospital in Boston. Mittels eines Glaskolbens führte Morton die Äthernarkose vor.

© akg-images / picture-alliance

175 Jahre Anästhesie

Triumph über den Schmerz

Nach erfolgreicher Sondierungswoche (v.l.n.r): Robert Habeck und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und FDP-Chef Christian Lindner am Freitag in Berlin.

© Kay Nietfeld/picture alliance

Erfolgreiche Sondierung

Das plant die Ampelkoalition im Bereich Gesundheit