Schlagabtausch zur Aufbereitung von Einmal-Medizinprodukten

Der jüngste Bericht der EU-Kommission zu den Risiken der Aufbereitung medizinischer Einmal- Produkte lässt auch in Deutschland wieder die Debatte um die Patientensicherheit aufleben.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Für die Aufbereitung von Medizinprodukten in der Praxis gelten spezielle Regeln.

Für die Aufbereitung von Medizinprodukten in der Praxis gelten spezielle Regeln.

© Miele

BERLIN. Die Aufbereitung von Einmal-Medizinprodukten ist in Europa gängige, wenn auch besonders in Deutschland eine sehr umstrittene Praxis. Denn immer wieder tauchen Fragen nach den Risiken für Patienten und Anwender auf. An vorderster Front der Wiederaufbereitungsgegner steht hierzulande der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed).

Patientenschutz soll oberste Priorität genießen

Der BVMed plädiert dafür, dass bei der Diskussion um die Aufbereitung von Medizinprodukten der Patientenschutz oberste Priorität hat. Der Interessenverband positioniert sich damit in der Debatte um den jüngsten Bericht der EU-Kommission "über die Wiederaufbereitung von Medizinprodukten in der Europäischen Union gemäß Art. 12a der Richtlinie 93/42/EWG".

Der Bericht basiert im Wesentlichen auf den Untersuchungen des Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks (SCENIHR) und zeigt wesentliche Gefahrenpotenziale bei der Aufbereitung. Etwa, dass der Aufbereitungsprozess Lücken aufweist und nicht alle Krankheitserreger beseitigt werden. Oder aber, dass durch den Prozess die Struktur und Funktionalität der Medizinprodukte beeinträchtigt wird.

Der BVMed bekommt nun allerdings Gegenwind. Und zwar von Experten aus Deutschland, die sich seit Jahren mit der Risikobewertung der Aufbereitung von Medizinprodukten befassen: der Expert Group for Safety in Medical Devices Reprocessing (smdr).

"Professionelle Anbieter beherrschen die Risiken"

Die smdr heißt zwar die zentrale Forderung der EU-Kommission nach der Verbesserung der Patientensicherheit für gut. Dennoch hält sie den Bericht nach eigener Aussage in vielen Punkten für unausgewogen. "Es ist gut und wichtig, auf die Risiken hinzuweisen, aber fairerweise müsste man auch sagen, dass professionelle Aufbereiter diese Risiken beherrschen", sagt Professor Axel Kramer, Sprecher der smdr, und Leiter des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Uniklinik Greifswald. "Das aber hat die EU-Kommission nicht getan", legt er nach. Der BVMed hebt hingegen hervor, dass die EU-Kommission in dem Bericht betont, dass die Verwendung aufbereiteter Einmalprodukte mit einem Zusatzrisiko verbunden sein könnte. Somit werde eine potenzielle Ungleichbehandlung der Patienten vermutet.

Bericht zum Download: http://ec.europa. eu/consumers/sectors/medical-devices/ files/pdfdocs/reprocessing_report_en.pdf

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Umfrage

Zi-Praxis-Panel geht in eine neue Runde

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Ein Medikament unter vielen, das wenigen hilft? 2400 Wirkstoff-Kandidaten in der EU haben den Orphan-Drug-Status.

© artisteer / Getty Images / iStock

Wirkstoff-Kandidaten mit Orphan-Drug-Status

Orphan Drugs – Risiken für ein Modell

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Voraussetzungen für neue Kassenleistung

Lungenkrebs-Screening: Wie gut sind Praxen vorbereitet?

Ärztliche Pflichttätigkeiten

Zehn Praxis-Tipps für die Leichenschau

Lesetipps
Eine Frau steht am Empfang einer Praxis und spricht mit einer Praxismitarbeiterin.

© auremar / stock.adobe.com

Hausarzt und Gebietsärztin im Interview

Hausarztvermittlungsfälle: Wo es hakt und wie es besser ginge

Ein Arzt lädt Daten in die E-Patientenakte hoch

© Daniel Karmann/dpa/picture alliance

Elektronische Patientenakte im Versorgungsalltag

Bei diesen ePA-Baustellen müssen Praxen auf Behelfslösungen setzen