U07.1 für das Coronavirus

So klappt es mit der COVID-19-Kodierung

Die ICD-10-Kodierung von COVID-19 ist (noch) nicht alltäglich, immer wieder tauchen Fehler auf. Die KBV und PVS-Anbieter geben Hinweise zu möglichen Fehlerquellen.

Von Margarethe Urbanek Veröffentlicht:
U07.1!: Neue Diagnose, neue Fragestellungen. KBV und Anbieter von PVS geben Antworten.

U07.1!: Neue Diagnose, neue Fragestellungen. KBV und Anbieter von PVS geben Antworten.

© gamjai / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Die ICD-10-Kodierung von COVID-19 wirft bei einigen Ärzten Fragen auf. Hintergrund sind Hinweis- oder Fehlermeldungen in den Praxisverwaltungssystemen, die beim Eintragen des ICD-10-Codes U07.1 anbieterübergreifend aufzutauchen scheinen.

Weit verbreitet scheint demnach auch die Annahme, durch Löschen des Ausrufungszeichens im Code könnte die Fehlermeldung behoben werden.Anbieter von PVS weisen auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“ jedoch darauf hin, dass ihre Praxisverwaltungssysteme die Corona-Kodierung nach den WHO-Vorgaben enthalten. Sie machen Fehler bei der Kodierung als Ursache für die Fehler- und Hinweismeldungen aus.

Wichtig sei, betonen einhellig die CompuGroup Medical, Medatixx und Indamed, sich an die Hinweise der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu halten. Danach ist der Schlüssel „U07.1“ für COVID-19 in der ICD-10-GM als sekundärer Code (Ausrufezeichenschlüsselnummer) angelegt und muss zwingend ergänzend zu einem Primärcode (Code ohne Ausrufezeichen oder Stern) verwendet werden.

Wichtig sei zudem die differenzierte Verwendung eines Zusatzkennzeichens für die Diagnosesicherheit.

Zu Hinweismeldungen in den Praxissystemen kommt es nach Auskunft der Anbieter nur dann, wenn der „U07.1“ keine Primärdiagnose zugeordnet ist.

KBV-Empfehlungen zum Kodieren

Die KBV informierte bereits vergangene Woche: „Bei Patienten mit einer akuten Erkältung beispielsweise, bei denen der Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion besteht, verschlüsseln Ärzte sowohl die Erkältungskrankheit als auch COVID-19.“ In einer aktuell veröffentlichten Handlungsempfehlung erläutert die KBV niedergelassenen Ärzten zudem beispielhaft die COVID-19-Kodierung anhand zweier Fallkonstellationen (bit.ly/2UbfPXR).

In einer davon wird ein Patient mit Erkältungserscheinungen vorstellig, der sich in den vergangen 14 Tagen in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten hat. Eine mögliche Kodierung laut KBV wäre eine akute Infektion der oberen Atemwege zu diagnostizieren („J06.9“)und wegen des Aufenthalts die Verdachtsdiagnose („V“) U07.1 für COVID-19 eintragen. Bei Verdachtsdiagnosen ist bekanntlich das Zusatzkennzeichen „V“ einzutragen, bei gesicherten Diagnosen das Zusatzkennzeichen „G“.

Wichtig außerdem: Fälle, bei denen ein klinischer Verdacht vorliegt oder eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, sind mit der Ziffer 88240 zu kennzeichnen. Dies ist deshalb wichtig, weil nur dann die Behandlungsleistung extrabudgetär honoriert wird.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Leider geht auch hier einiges durcheinander: Die offizielle Verlautbarung der KBV lautet

"Fallkonstellation 1: Akute Erkältungskrankheit bzw. -Symptome im Zusammenhang mit COVID-19 / gegebenenfalls mit Veranlassung eines COVID-19-Labortests...
› Diagnosen: · J06.9 G Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet · U07.1 V COVID-19
› Bei nachgewiesener COVID-19-Erkrankung verwenden Sie bitte jeweils das Zusatzkennzeichen „G“: · J06.9 G Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet · U07.1 G COVID-19...
› Diagnosen: · J06.9 G Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet · Z20.8 G Kontakt mit und Exposition gegenüber sonstigen übertragbaren Krankheiten · U07.1 V COVID-19
› Bei nachgewiesener COVID-19-Erkrankung verwenden Sie bitte jeweils das Zusatzkennzeichen „G“: · J06.9 G Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet · Z20.8 G Kontakt mit und Exposition gegenüber sonstigen übertragbaren Krankheiten · U07.1 G COVID-19... (Zitat Ende)
Quelle: KBV-Themenseite zum Coronavirus: www.kbv.de/html/coronavirus.php

Von einem Schlüssel „U07.1!“ mit Ausrufezeichen in der ICD-10-GM als sekundärer Code (Ausrufezeichenschlüsselnummer) kann laut KBV keine Rede sein. Dieser Code ist z. B. in meiner Praxis auch gar nicht aufrufbar.

Vergessen wurde in diesem Zusammenhang auch die budgetbefreiende Abrechnungsziffer EBM 88240:

"Fälle kennzeichnen
Wichtig ist außerdem: Fälle, bei denen ein klinischer Verdacht vorliegt oder eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, sind mit der Ziffer 88240 zu kennzeichnen. Dies ist wichtig für die Erstattung der Behandlungskosten."
https://www.kbv.de/html/1150_44472.php
und
https://www.kbv.de/html/1150_44667.php

Praxisbeispiel:
Der 2-jährige Sohn hatte Kontakt zu einem coronainfizierten Kind in der KITA. Mutter und Sohn werden ohne direkte Krankheitszeichen in der zuständigen Stelle im "drive-in" am Klinikzentrum Nord der Städtischen Kliniken Dortmund (KLIDO) nicht getestet.


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