MSD-Gesundheitspreis

So sieht die Speerspitze digitaler Versorgungslösungen aus

Die Gewinner des diesjährigen MSD-Gesundheitspreises zeigen, wie vielfältig digital gestützte Angebote den Versorgungsalltag sinnvoll unterstützen und prägen können – ganz unabhängig von Corona.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht: 09.09.2020, 17:31 Uhr
Nicht zum ersten Mal preisgekrönt wurde die Initiative „Was hab‘ ich“. Für den in Patientensprache übersetzten „Patientenbrief“ gab es am Mittwoch den MSD-Gesundheitspreis.

Nicht zum ersten Mal preisgekrönt wurde die Initiative „Was hab‘ ich“. Für den in Patientensprache übersetzten „Patientenbrief“ gab es am Mittwoch den MSD-Gesundheitspreis.

© washabich

Haar. Corona hat der Welt nicht nur einen medizinischen Stempel aufgedrückt. Die Pandemie hat vor allem auch in Deutschland einen Digitalisierungsschub für die medizinisch-pflegerische Versorgung und das Arzt-Patienten-Verhältnis geleistet. Dabei ist das Ende der digitalen Fahnenstange noch nicht erreicht, wie das MSD Gesundheitsforum zum Gesundheitspreis 2020 gezeigt hat, das am Mittwoch zum zehnten Mal in Haar – dieses Jahr als Hybrid-Format – stattfand. Unter 48 Bewerbern setzten sich die folgenden Initiativen nach dem Urteil einer unabhängigen Jury in diesem Jahr durch:

  • 1. Preis, Patientenbrief: Den ersten Preis – und zusätzlich den Publikumspreis – sicherte sich der „Patientenbrief“ der bereits mehrfach ausgezeichneten, von Dresdner Ärzten initiierten Plattform „Was hab‘ ich“. In dem Projekt werden fachsprachliche Arztbriefe in für Laien verständliche, „Patientenbriefe“ umgewandelt. Grundlage dafür ist eine Software, die aus ärztlich erstellten und geprüften Textbausteinen voll- oder teilautomatisch „Übersetzungen“ der Arztbriefe erstellt. Geschäftsführer Ansgar Jonietz, freute sich am Dienstag über den doppelten Gewinn: „Besonders glücklich macht mich, dass die interessierte Öffentlichkeit uns durch ihr Voting einmal mehr gezeigt hat, wie wichtig eine verständliche Kommunikation der medizinischen Sachverhalte für den informierten Patienten ist. Das bestätigt die Rückmeldung derer, die den Patientenbrief bereits in Anspruch nehmen konnten und motiviert uns, das Projekt noch breiter auszurollen“, sagte Jonietz bei der Preisverleihung.
  • 2. Preis, TigerKids: Das Projekt der Stiftung Kindergesundheit „TigerKids – Kindergarten aktiv“ schaffte es auf Platz zwei. Die kindliche Gesundheit generell zu stärken und Übergewicht und Adipositas im Kindesalter vorzubeugen – das sind die Ziele von TigerKids. Dafür haben die Projektbeteiligten ein Programm und Infomaterialien erstellt, die Erzieher und Eltern nutzen können, um Kindern schon im Kindergarten das Thema Gesundheit näherzubringen.
  • 3. Preis, Telnet@NRW: In der digitalisierten Medizinwelt ebenfalls keine Unbekannte ist Telnet@NRW, das beim MSD-Gesundheitspreis den 3. Platz belegt hat. Das telemedizinische, intersektoral ausgerichtete Netzwerk soll als neue digitale Gesundheitsstruktur zur messbaren Verbesserung der wohnortnahen Versorgung dienen. Initiatoren sind unter anderen das Ärztenetz „Medizin und Mehr“ aus Bünde und das Gesundheitsnetz Köln Süd. Das Netzwerk will durch die telemedizinische Kooperation universitärer Spezialisten und Fachärzte eine messbare Verbesserung der regionalen Versorgung in der Infektiologie und Intensivmedizin bewirken.

Vier Sonderpreise vergeben

Der Sonderpreis „Medizinische oder organisatorische Breakthrough Innovation / Leuchtturmprojekt“ geht in diesem Jahr an „SOS-Care – Hilfe nach Schlaganfall“, einer Initiative des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden und der AOK PLUS. Das Programm fördert die Folge-/Sekundärprävention nach einem Schlaganfall oder einer TIA (Rezidivvermeidung), indem es die Eigenverantwortung durch Edukation stärkt, Hilfsmittelempfehlungen konsequent umsetzt, die Medikamentenadhärenz festigt und individuelle Risikofaktoren minimiert.

Den Sonderpreis „Arztnetze / Community Medicine“ sicherte sich das Netzwerk OnkoAktiv, ein Modellprojekt zur bewegungstherapeutischen Versorgung onkologischer Patienten des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg. Das Projekt verfolgt das Ziel, nationale Versorgungsstrukturen aufzubauen, innerhalb derer jedem Krebspatienten der Zugang zu einem qualifizierten, onkologischen Bewegungsangebot ermöglicht wird. Dafür integriert das Netzwerk qualitätsgeprüfte Trainingsinstitutionen und vernetzt relevante Stakeholder transparent auf einer Plattform.

Der Impfpass erinnert an anstehende Impfungen

Der Sonderpreis „Lösung von Versorgungsproblemen durch Digitalisierung“ geht 2020 an ImpfDocNE der GZIM – Gesellschaft zur Förderung der Impfmedizin sowie des Praxis-EDV- und Telemedizin-Unternehmens Zollsoft. Die Initiatoren wollen mithilfe eines digitalen Impfpasses und Impfmanagements die Impfquoten in der Bevölkerung sowie das Qualitätsmanagement in der Impfpraxis verbessern helfen. Dazu werden Impfpassdaten durch die Arztpraxis digitalisiert und gespeichert. Die Daten werden vernetzt mit einer App, mit einem weltweit einzigartigen System, das eine Kopplung zwischen Arztsystem, Patienten-App und Erinnerungssystem über einen Cloudserver ermöglicht.

Den Sonderpreis „Verbesserung der konkreten Versorgung auf Ergebnis- und Prozessebene durch Patientenbeteiligung“ sprach die Expertenjury dem Projekt „Versorgung ohne Sprachbarriere“ von Triaphon zu. Mit einer digitalen Dolmetsch-Hotline inklusive Ehrenamtlichen-Netzwerk verbessert das Projekt die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten mit Sprachbarriere.

Für einen offeneren Umgang mit Daten für die Forschung warb Chantal Friebertshäuser, Geschäftsführerin MSD Deutschland, beim Gesundheitsforum: „Wir wissen, dass die Forschung – ob an Universitäten oder in der Industrie – hier das volle Potenzial noch nicht ausschöpft oder auch nicht ausschöpfen kann, auch weil der Zugang nicht so offen ist, wie es notwendig wäre. Mit den richtigen Daten und vor allem der richtigen Analyse können wir den Patientinnen und Patienten viel bessere, auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Behandlungen anbieten – von der Früherkennung bis zur Wahl der Medikamente“, so Friebertshäuser laut Mitteilung von MSD.

Insgesamt ist der MSD-Gesundheitspreis mit 115.000 Euro dotiert. Ab sofort können sich Projekte und Initiativen nun um den MSD-Gesundheitspreis 2021 bewerben. (Mitarbeit: ger)

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