Verständliche Sprache

Patientenbrief wird praxisreif

Die Übersetzung medizinischer Fachterminologie in Arztbriefen in für Patienten verständliches Deutsch hat sich die Dresdner „Was hab‘ ich?“ gGmbH zum Ziel gesetzt. Das Projekt könnte nun an Kliniken ausgerollt und für die ambulante Medizin erweitert werden.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht: 17.06.2019, 14:50 Uhr

BERLIN. Vergessene und nicht verstandene Information von Ärzten an ihre Patienten ist eine der wichtigsten Ursachen für mangelhafte Adhärenz und Therapieversagen.

Was ursprünglich 2011 eine Studenteninitiative war, ist in den vergangenen Jahren zu einem evaluierten und praxistauglichen Projekt geworden, das in das Entlass-Management der Kliniken ausgerollt werden könnte: Der Patientenbrief der Dresdner „Was hab“ ich?“ gGmbH von Geschäftsführer Ansgar Jonietz und seinem Team aus fünf Ärzten, einem Software-Entwickler, einer Kommunikationswissenschaftlerin und einer Projektassistentin.

Auch Information für Angehörige

Das Team übersetzt die in Arztbriefen gebräuchliche medizinische Fachsprache in klares für den Patienten verständliches Deutsch. Im Rahmen eines Symposions des Bundesgesundheitsministeriums wurde jetzt eine Zwischenbilanz gezogen.

Bis jetzt hat sich das Team darauf konzentriert, Krankenhaus-Arztbriefe in Laiendeutsch zu transferieren: Befunde, Diagnosen, eingesetzte Therapieverfahren, Medikation, Fortsetzung der Behandlung nach dem Krankenhausaufenthalt. Der Patientenbrief kann somit wichtiger Bestandteil des Entlass-Managements sein.

Die Effekte des Patientenbriefs auf die Informiertheit und die Adhärenz ist mit Patienten des Krankenhauses in Bad Ems unter Federführung des Instituts für Allgemeinmedizin der TU Dresden evaluiert worden.

Die Interventionsgruppe bestand aus 242 Patienten, die bei der Entlassung zunächst den konventionellen Arztbrief und drei Tage später den Patientenbrief erhielten. Die 176-köpfige Kontrollgruppe bekam nur den üblichen Arztbrief. Drei Tage später wurde den beiden Gruppen ein Fragebogen übersandt. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • 79 Prozent der im Schnitt 71-jährigen Studienteilnehmer mit mittelmäßigem bis schlechten Gesundheitszustand erinnerten sich gar nicht oder nur an ein kurzes Entlassgespräch.
  • 64 Prozent der Teilnehmer aus der Interventionsgruppe gaben an, Ihnen seien die Ergebnisse von Untersuchungen verständlich erklärt worden, in der Kontrollgruppe waren es nur 42 Prozent.
  • 44 Prozent in der Interventionsgruppe sagten, ihnen sei verständlich erklärt worden, welchen Zweck die Medikamente haben, die sie zu Hause einnehmen müssen; In der Kontrollgruppe waren es nur 34 Prozent.
  • Fast 87 Prozent in der Interventionsgruppe haben den Patientenbrief ausführlich gelesen; 79 Prozent gaben an, auch weitere Personen (Angehörige) hätten den Brief gelesen.

Während in der Pilotphase und für die Evaluationsstudie die Patientenbriefe noch manuell von einem ehrenamtlichen Team von Ärzten erstellt worden sind, arbeitet die „Was hab‘ ich?“ gGmbH seit 2017 an einer komplett automatisch erstellbaren Variante des Patientenbriefs.

Ein Tool auch für Praxen?

Damit sollen solche Informationen als Standard in das Entlass-Management integriert werden können, ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand für Ärzte zu verursachen.

Inzwischen sind 21.500 ICD- und OPS-Codes in leicht verständliche Textbausteine transformiert worden. Perspektivisch kann dieser Patientenbrief auch für die ambulante Medizin oder für andere Sprachen weiterentwickelt werden.

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