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Gastbeitrag

Steuerberatung auch per Videosprechstunde

Der Kontakt zwischen Steuerberater und Arzt wird in Krisenzeiten intensiver. Unser Gastautor beschreibt Herausforderungen für beide Seiten.

Veröffentlicht:
Auch der Kontakt mit dem Steuerberater läuft in dringlichen Fällen häufig per Videokonferenz.

Auch der Kontakt mit dem Steuerberater läuft in dringlichen Fällen häufig per Videokonferenz.

© Alterfalter / stock.adobe.com

Durch Medienberichte waren wir schon lange, bevor in Deutschland die ersten Fälle bekannt wurden, mit dem Thema „Krise durch Corona“ konfrontiert. Und wir dachten eigentlich, uns darauf einstellen zu können. Bereits frühzeitig konnten wir unsere Mandanten über die seinerzeit bekannten oder geplanten Maßnahmen informieren. Doch dann kam es, wie Weihnachten immer kommt: plötzlich und unerwartet!

Mit Schließung der Schulen und Kitas war nichts mehr so wie vorher. Als erster Ansprechpartner für die Mandanten und Praxen stand das Telefon bei Steuerberatern nicht mehr still. Alle Ängste und Nöte wurden mit uns diskutiert, finanzielle Engpässe waren dabei zunächst das geringste Problem.

Auch als Psychologe gefragt

Tatsächlich sind Steuerberater nach wie vor häufig als Psychologe, Lebens-, Ehe- und Unternehmensberater sehr gefragt. Dabei stellt sich immer wieder heraus, wie verbunden Mandanten ihrem Steuerberater sind, wenn er oder sie diese Anforderungen auch erfüllt.

Der Ablauf der Corona-Krise für Arztpraxen kann aus heutiger Sicht in vier Phasen unterteilt werden:

  • Phase 1: Wilder Aktionismus. In vielen Praxen bleiben die Patienten weg. Jetzt werden Soforthilfen dringend nachgefragt und benötigt. Dabei zeigt sich, dass Antragsvoraussetzungen für viele eher nebensächlich zu sein scheinen. Sehr umständlich ist die für jedes Bundesland unterschiedliche Antragsform. Was es in Praxen noch nie gab und für weitere Unsicherheit sorgt: das Thema Kurzarbeit! Leider sind diverse Reaktionen, was eine Aufstockung für die Auszahlung an die Medizinischen Fachangestellten angeht, nicht immer sofort von Begeisterung geprägt. Nach teils intensiver Beratung wird unserer Empfehlung, die Auszahlung an MFA aufzustocken, meist gefolgt.
  • Phase 2: Erste Erfahrungen sind gemacht – mal tritt eine leichte Entspannung ein, mal nicht. Patienten bleiben Praxen weiterhin fern oder werden tatsächlich abbestellt. MFA bekommen zunehmend Angst vor Infektionen und werden krank. Praxen insgesamt müssen kaum schließen. Die Nachricht der KBV über die Weiterzahlung der „normalen“ Honorare zu 90 Prozent bringt schlagartig (finanzielle) Entspannung.

Es werden jetzt Überlegungen für die nächsten Wochen angestellt und zum Beispiel Wechselschichten eingeführt, damit die mögliche Ansteckung eines Mitarbeiters nicht gleich das ganze Praxisteam in die Quarantäne befördert. Einige Praxen richten besondere „Corona-Sprechstunden“ in getrennten Räumen ein. Viel mehr als vorher laufen Patientenkontakte über Telefon oder auch über Videosprechstunde. Die öffentlichen Hilfsprogramme für die KfW werden beschlossen – natürlich nur in Form von Darlehen, aber immerhin.

  • Phase 3: Patienten fragen wieder vermehrt Termine nach. Zum Teil tritt ein fast normaler Praxisalltag ein – aber halt doch mit deutlich weniger Patienten. Die Entwicklungen der vergangenen Wochen werden nun analysiert, um über die Stundung und Anpassung von Steuerzahlungen zu entscheiden. Ziel: die Liquidität der Praxen optimieren.

Immer noch sind von den Steuerberatern täglich viele Telefonate zu führen, in denen es häufig um die gleichen Themen geht. Persönliche Termine werden in dieser Zeit von uns nicht vereinbart. Dringende, nicht aufschiebbare Gespräche oder Verhandlungen zwischen Ärzten und Steuerberatern werden per Video-Konferenz abgehalten.

Gute Tipps sind stets gefragt

Man merkt deutlich, wie die Berichterstattung in Medien und die Aussagen von Fachleuten Stimmung und Meinungen beherrschen. Die Banken und Sparkassen geben erste Finanzierungsprogramme bekannt, und damit wird eine weitere Telefonrunde eingeläutet. Die immer wiederkehrenden Themen: Was kann finanziert werden? Was kostet das? Hier sind gute Tipps gefragt, wie mit der Situation am besten umgegangen werden kann.

  • Phase 4 (liegt noch vor uns): Was passiert nach einer teilweisen Normalisierung? Werden sich die Praxisabläufe wegen besonderer Desinfektionsmaßnahmen, aber auch wegen mancher erstmals genutzter technischer Innovationen verändern? Das Infektionsrisiko wird nicht in ein paar Wochen verschwunden sein. Wie muss eine Praxis eventuell umstrukturiert werden? Es werden Einnahme- und damit Ertragsminderungen eintreten! Was kann dagegen getan werden? Wie sehen das Gesundheitswesen und die Praxen in Zukunft aus?

Es wird sicher noch viele Wochen oder sogar Monate dauern, bis diese und andere Fragen endgültig zu beantworten sind. Dennoch ist es jetzt an der Zeit, bereits an morgen und an übermorgen zu denken. Dabei sollten die nicht vergessen werden, ohne die keine Praxis jemals überleben würde und ohne die gerade jetzt wahrscheinlich nichts funktionieren würde – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Praxen und letztlich in allen Unternehmen.

Daher ist die steuerfrei und sozialversicherungsfrei gestellte Sonderprämie von bis zu 1500 Euro für jeden aus unserer Sicht obligatorisch. Das Gesundheitswesen wird gestärkt aus dieser Zeit hervorgehen, davon sind wir überzeugt. Eine alte Volksweisheit kann dabei Mut machen: „Nimmt man die Chance aus der Krise, wird sie zur Gefahr! Nimmt man die Angst aus der Krise, wird sie zur Chance.“

Wilfried Hesse ist Steuerberater in der HESSE & ADVISA GmbH, Steuerberatungsgesellschaft, Bielefeld

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