SARS-CoV-2

Testkapazitäten: Labore in Bayern schlagen Alarm

Die Teststrategie in Bayern, allen Bürgern PCR-Tests auf SARS-CoV-2 anzubieten, wann immer sie wollen, bringt die Fachlabore des Landes in Bedrängnis. Engpässe gibt es in vielen Bereichen.

Von Hauke GerlofHauke Gerlof Veröffentlicht: 06.11.2020, 18:16 Uhr
Mangel an Material und Personal: Eine Mitarbeiterin eines Labors überführt einen trockenen Abstrich eines molekularbiologischen Tests auf das SARS-CoV-2-Virus für die Analytik in eine Flüssigkeit. (Archivbild)

Mangel an Material und Personal: Eine Mitarbeiterin eines Labors überführt einen trockenen Abstrich eines molekularbiologischen Tests auf das SARS-CoV-2-Virus für die Analytik in eine Flüssigkeit. (Archivbild)

© dpa

München/Berlin. Falsche Priorisierung? Die Laborärzte in Bayern schlagen Alarm angesichts immer weiter steigender Zahlen durchgeführter Labortests auf SARS-CoV-2. „Bei 15.000 bis 20.000 positiven Tests pro Tag kommen wir ja allein durch die Kontakte der positiv Getesteten auf 100.000 Personen und mehr pro Tag“, beschreibt Evangelos Kotsopoulos das Problem. Der CEO des großen Laboranbieters Sonic Healthcare und Vorstandsmitglied im Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM e.V.) sieht die Labore zunehmend mit Personalproblemen aufgrund von Krankmeldungen und Knappheit beim Material „mit ein paar Engpässen gleichzeitig“ konfrontiert.

Es sei eine „extreme Situation in Bayern“, warnte Kotsopoulos im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“. Viele Labore hätten in den vergangenen Wochen Proben in andere Bundesländer verschieben müssen. „Im August ging das noch, aber jetzt sind die Labore überall ausgelastet.“

Die Teststrategie habe sich zuletzt dem Geschehen ja laufend angepasst. So sei eine Priorisierung eingeführt worden, und zuletzt habe das Robert Koch-Institut empfohlen, nur noch Personen mit schwereren Symptomen zu testen, nicht mehr bei leichten Erkältungssymptomen. „Die Priorisierung ist eigentlich eine gute Sache, aber das sind natürlich nur Empfehlungen“, weiß Kotsopoulos.

Viermal pro Woche ins Testzentrum

Das Angebot der bayerischen Staatsregierung an alle Bürger, sich dann testen zu lassen, wann sie wollten, werde kräftig genutzt. Er kenne Fälle von Menschen, die sich „drei- bis viermal pro Woche an einem Testzentrum abstreichen lassen“. Es gebe auch Patienten, die vom Hausarzt nach dem Abstrich informiert werden, dass wegen der hohen Auslastung das Ergebnis ein paar Tage dauern könne, dann zusätzlich in ein Abstrichzentrum gehen – in der Hoffnung, dass einer der beiden Tests schnell durchrutschen werde.

Dass eine solche Vorgehensweise nicht die Ausnahme sei, zeige sich an den Positivraten: In Bayern liege diese bei den PCR-Tests auf SARS-CoV-2 so auch nur bei 5,2 Prozent, so Kotsopoulos. Das sei gut zwei Prozentpunkte weniger als im Bundesschnitt – obwohl die 7-Tages-Inzidenz in Bayern mit 151,2 (Freitag) zu den höchsten in den Flächenländern zählt.

Staatsregierung will nicht umsteuern

Das bayerische Gesundheitsministerium bleibt trotz der Kritik aus den Laboren dabei, berichtete am Freitag der Bayerische Rundfunk: Alle, die verunsichert sind, sollten sich auf Corona testen lassen können. Staatssekretär Klaus Holetschek sei in einem regelmäßigen Austausch mit den Laboren im Freistaat. „Wir haben in Bayern ein gutes Testangebot“, wird Holetschek zitiert. Es sei nicht notwendig, „einen Paradigmenwechsel einzuleiten“.

Die Folge auch vieler anlassloser PCR-Tests waren in der vergangenen Woche nach den Zahlen des ALM fast 100.000 Proben Rückstau nach dem Wochenende. „Wenn man am Wochenende mit weniger anfallenden Proben nicht alles wegschafft, dann ist das ein Alarmsignal, denn das gibt am Montag ein Problem, wenn die nächsten 300.000 Proben angeliefert werden“, beschreibt der Laborexperte Kotsopoulos die Situation.

Mitarbeiter im Labor unter Druck

„Immerhin betreiben wir zeitkritische Diagnostik, und das weiß auch die MTA in der Nachtschicht von Sonntag auf Montag. Vier bis fünf Tage warten auf das Testergebnis – das geht doch eigentlich nicht.“ Entsprechend groß sei der Druck, unter dem die Mitarbeiter in den Laboren stünden.

Wie die Antigentests bald zur Entlastung beitragen könnten, werde sich zeigen. Die Schnelltests im Pflegeheim zum Beispiel brächten bei den PCR-Tests ja noch keine Entlastung, weil sie noch kein Ersatz für PCR-Tests seien.

Entlastung in der Analytik

Der erste Antigentest fürs Labor bekomme sein Labor an diesem Wochenende. Montag oder Dienstag hofft Kotsopoulos auf erste Daten aus der Evaluation. Durch die Tests gebe es in der Präanalytik im Labor zwar keine Entlastung, aber in der Analytik gingen die Antigentests dann in eine andere Abteilung und könne dort schneller und günstiger als PCR-Tests geprüft werden.

Die Frage sei nun, wie gut die Sensitivität der Tests sei und in welchem Szenario sie PCR-Tests ersetzen können: „Wir wollen die positiven Tests ja nicht verpassen.“ Wie hoch der Verlust an Sensititvität ist, wisse man noch nicht. Die Spezifität der Antigentests sei dagegen sehr hoch, das Labor habe „extrem wenige Fälle“ gehabt, in denen sich positive Ergebnisse aus Antigentests als falsch erwiesen hätten. (ger)

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