Telemedizin

Uniklinik Aachen hat die Nase vorn

Während Telemedizin ambulant noch in den Startlöchern steht, sind viele Kliniken schon deutlich weiter. In Aachen hat sich bereits eine digitale Netzstruktur etabliert, an die langfristig auch Niedergelassene andocken sollen. Dafür gab es jetzt eine Auszeichnung.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Teleintensivmedizinische Visite an der Uniklinik Aachen.

Teleintensivmedizinische Visite an der Uniklinik Aachen.

© Uniklinik RWTH Aachen

KÖLN. Positive Nachrichten für das Telemedizinzentrum der Universitätsklinik Aachen: Das Zentrum ist von der nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) als "Ort des Fortschritts" ausgezeichnet worden. Das Projekt "Telematik in der Intensivmedizin" (TIM) wird zudem bis 2017 von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert.

Im Aachener Telemedizinzentrum werden vier große Projekte gebündelt. Neben TIM sind das das Telemedizinische Rettungsassistenzsystem, die Telemedizinische Intersektorale Rehabilitationsplanung in der Alterstraumatologie und die Telemedizin bei Herzschwäche. "Darüber hinaus arbeiten wir an verschiedenen neuen Projekten", sagt der Sprecher des Zentrums Professor Gernot Marx.

Fachbereiche arbeiten zusammen

In dem Zentrum arbeiten rund 20 Ärzte. Das Besondere an dem Aachener Konzept ist nach Einschätzung von Marx die Einbeziehung mehrerer Fachrichtungen und die enge Verbindung von Technik und Medizin.

"Das entspricht unserem Auftrag als medizinische Fakultät der Technischen Hochschule Aachen." Bei den Telemedizin-Projekten schlage es sich positiv nieder, dass Ärzte, Informatiker und die Geschäftsführung an einem Strang ziehen.

"Die telemedizinischen Lösungen, die an der Aachener Uniklinik entwickelt werden, sind richtungsweisend für das ganze Land und können Leben retten", sagte Ministerin Schulze anlässlich der Übergabe der Urkunde für den "Ort des Fortschritts". Die Telemedizin helfe dabei, die Patientenversorgung zu verbessern. Die Auszeichnung ist ideell und nicht mit Finanzmitteln verbunden.

Anästhesist Marx hofft, dass durch sie das Interesse an den Aachener Projekten noch steigt. Die Aachener Mediziner arbeiten bereits mit anderen Kliniken zusammen und wollen langfristig auch niedergelassene Ärzte in die telemedizinische Kooperation einbeziehen.

Ein Knackpunkt sei nach wie vor die Finanzierung telemedizinischer Leistungen, betont er. Deshalb freut ihn die Zusage der nordrhein-westfälischen Krankenkassen, TIM nach dem Ende der Förderung aus EU-Mitteln finanziell zu unterstützen. "Das ist ein echter Durchbruch für uns."

Telemetrische Überwachung von Patienten

Kern des Projekts ist die telemetrische Überwachung von Patienten in kleineren Kliniken, die über eine sichere Datenleitung mit der Tele-Intensivmedizin-Zentrale verbunden sind. Die Aachener kooperieren zurzeit mit zwei Häusern der Region, demnächst sollen es fünf werden.

In den vergangenen zwei Jahren sind 3500 Patienten einbezogen worden, es gab 4500 Tele-Visiten, berichtet Marx. Die geregelte Finanzierung durch die Kassen wird es den Ärzten ermöglichen, deutlich mehr Patienten einzubeziehen und damit noch mehr Evidenz für die Vorteile des telemedizinischen Ansatzes zu generieren, hofft er.

Bislang gebe es vor allem aus den USA Belege für die Verringerung der Liegezeiten im Krankenhaus und der Mortalität. Zurzeit läuft in Aachen eine erste Evaluation der bislang erhobenen Daten. "Wir können deutliche Effekte sehen. Die Leitlinien-Adhärenz ist besser."

Eine Befragung habe zudem gezeigt: "Die Akzeptanz bei den Patienten und ihren Angehörigen ist extrem hoch", versichert Marx.

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