Direkt zum Inhaltsbereich

Verspätete Diagnose? Kein Schadenersatz!

GÖTTINGEN/NORTHEIM (pid). Obwohl ihr Gynäkologe einen Diagnosefehler begangen hat, steht einer Krebspatientin aus Northeim weder Schadenersatz noch Schmerzensgeld zu.

Veröffentlicht:
Das Landgericht Göttingen entschied gegen eine Krebspatientin. © GaToR-GFX / fotolia.com

Das Landgericht Göttingen entschied gegen eine Krebspatientin. © GaToR-GFX / fotolia.com

© GaToR-GFX / fotolia.com

Das hat jetzt eine Zivilkammer des Landgerichts Göttingen entschieden. Die Kammer habe die Klage der 65-jährigen Frau vollständig abgewiesen, teilte eine Gerichtssprecherin mit. Die Patientin hatte den inzwischen nicht mehr praktizierenden Gynäkologen verklagt, weil dieser ihre Tumorerkrankung zu spät erkannt habe. Dadurch habe sich die Krebstherapie um mehrere Monate verzögert. Die Kammer kam nach Prüfung mehrerer Gutachten zu dem Schluss, dass auch bei einem früheren Therapiebeginn die gleichen Behandlungen und Operationen nötig gewesen wären.

Die Frau hatte im Mai 2003 ihren Gynäkologen konsultiert, weil sie beim Abtasten der Brust Veränderungen bemerkt hatte. Der Arzt nahm daraufhin eine Mammografie und eine Ultraschalluntersuchung vor. Die Auswertung der Aufnahmen ergab einen unklaren Befund, den der Gynäkologe als eher gutartig einstufte. Erst fünf Monate später, nachdem die Frau noch zweimal bei dem Arzt vorstellig geworden war, wurde eine Biopsie vorgenommen, bei der ein bösartiger Tumor festgestellt wurde.

Die Klägerin musste sich danach zwei Brustoperationen unterziehen, hinzu kamen die Chemotherapie, Bestrahlungen und die medikamentöse Behandlung. Sie begründete ihre Klage damit, dass bei einer früheren Behandlung der Lymphknotenbefall weniger fortgeschritten gewesen wäre. Auch der Umfang der Operationen wäre geringer ausgefallen.

Nach Ansicht der Kammer ist dem Arzt ein Diagnosefehler anzulasten. Der Mediziner hätte den unklaren Befund diagnostisch weiter abklären müssen. Dieser Fehler habe sich aber nicht derart ausgewirkt, dass sich die Prognose der Patientin verschlechtert hätte. So zeichne sich der bei ihr festgestellte Tumor durch eine geringe Wachstumsgeschwindigkeit aus. Auch bei einer früheren Diagnose wäre dieselbe Behandlung nötig gewesen. Die Patientin kann gegen dieses Urteil in die Berufung gehen.

Az.: 2 O 910/06

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sie fragen – Experten antworten

Wann zählt die FSME-Impfung bei der Vorhaltepauschale mit?

GBA-Beschluss

Neue Vorgaben zur Corona-Impfung gesetzlich Versicherter in Kraft getreten

Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo VasioCore

© InMediq

inmediQ

VasioCore: Patientenspezifischer Cardiovascular Twin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Lilly

Lilly

Adipositassprechstunde systematisch umsetzen

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Strukturierter Ablauf der CAR-T-Zelltherapie, in sektorübergreifender Zusammenarbeit zwischen Zentrum und zuweisender Praxis

© Janssen-Cilag

CAR-T-Zelltherapie mit Cilta-cel

Frühzeitige Zuweisung und strukturierte Patientensteuerung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Spurenelemente

Zink und Testosteron: Wann ist eine Substitution sinnvoll?

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

Lesetipps
Hände hallten Tablette in linker Hand und Glas Wasser in rechter Hand

© IQ-Photography / Generated with AI / Stock.adobe.com

Medikamentöse Adipositastherapie

Faktenckeck orales Semaglutid: Was es kann und wo der Haken ist