Kommentar – Wissenschaftler

Wackelige Karriereleiter

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

Wer in der Forschung eine Karriere anstrebt, darf sich mit einigem Recht zur (künftigen) intellektuellen Elite zählen. Nicht zuletzt deshalb, weil nur die Besten eine reale Chance dazu haben. Doch der Weg ist hart und steinig.

Am sinnfälligsten ist dies in der Medizin. Hier klaffen Arbeitsbedingungen und Vergütungen zwischen Ärzten in der Patientenversorgung und Medizinern oder Angehörigen anderer medizinverwandter Disziplinen wie etwa der Molekularbiologie weit auseinander. Mitte der 2000er-Jahre hatten es die Ärzte mit der Abkoppelung von Verdi geschafft, vor allem den Nachwuchs aus seiner prekären Situation – Stichwort Arzt im Praktikum – zu befreien. Während der Ärztenachwuchs heute geradezu umhegt wird und zu den best dotierten akademischen Berufsgruppen zählt, sind die Arbeitsverhältnisse in der Forschung trotz gesetzlicher Änderungen immer noch prekär: karge Entlohnung, Teilzeitstellen, kurze Vertragslaufzeiten, Ungewissheit über die Zukunft.

Das widerspricht dem Anspruch Deutschlands, seinen Wohlstand aus Wissen und Innovation zu gewinnen und zu sichern. Und es ist auch ein Widerspruch zu der Tatsache, dass Forscher gerade in relativ jungen Jahren besonders kreativ sind.

Lesen Sie dazu auch: Hochschulen: Karges Brot für Forscher-Nachwuchs

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Detlef Bunk 19.03.201713:02 Uhr

Forschung: Bananen-Republik Deutschland

Entgegen allen Behauptungen wird die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses von der Bildung- und auch Wirtschaftspolitik stiefmütterlich behandelt. Insbesondere in der Medizin werden Gelder der Forschungsministerien für wissenschaftliche Stellen oft für Stellen in der Versorgung eingesetzt.
Zudem sind die Befristungspraxis, die Ungewissheit über die Zukunft und insbesondere die nicht vorhandene Familienpolitik der Bundesregierung für eine angemessene und ausreichende Kinderbetreuung für berufstätige Mütter und Väter das größte Übel. So verhindert Deutschland ausreichenden Nachwuchs aus gebildeten Schichten und glaubt zudem, wissenschaftlichen Fortschritt einkaufen zu können, anstelle ihn selbst zu produzieren.

Dr. phil. Detlef Bunk, Dipl. Psych.

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Keine Modeerscheinung

ADHS im Erwachsenenalter: Das gilt für Diagnostik und Therapie

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

 Shabnam Fahimi-Weber

© Jochen Tack

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin