Wann kann das Haus, was das Auto kann?

Mit der älter werdenden Gesellschaft wird sich auch die Lebenswelt vieler Menschen in den kommenden Jahren wandeln - die moderne Technik macht es möglich. Doch Pflege und Gesundheitswesen haben noch sehr viel Nachholbedarf.

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FREIBURG (ger). Digitale Sicherheitstechnik im Auto hilft Fahrern, die Spur zu halten, sie sichtet Hindernisse auf der Spur per Radar und warnt oder bremst sogar selbsttätig, und warnt auch davor, beim Einparken andere Fahrzeuge zu berühren.

"Die Autos sind vollgestopft mit technischen Assistenzsystemen. In Wohnungen, in denen wir uns doch viel mehr aufhalten, gibt es das viel weniger. Warum eigentlich?", fragte Professor Christophe Kunze von der Hochschule Furtwangen in einem Beitrag über "Ambient Assisted Living - mit Technologien und Dienstleistungen die Pflege von morgen gestalten". Kunze sprach am vergangenen Samstag beim 2. eHealth Forum Freiburg.

Ambient Assisted Living (AAL) soll es älteren Menschen ermöglichen, mit technischer Hilfe länger selbstständig in den eigenen vier Wänden zu leben als bisher.

Das entspricht dem Wunsch vieler Menschen, ist aber auch "aufgrund des kommenden Pflegenotstandes" eine Notwendigkeit, wie Kunze beim eHealth-Forum bemerkte.

Die Technik habe eine "rasante Entwicklung" genommen, so Kunze, die Möglichkeiten würden im Gesundheitswesen aber "bei weitem nicht ausgeschöpft".

"Viele Systeme sind am Markt noch nicht in der Breite erfolgreich, aber das wird sich in den nächsten fünf Jahren ändern", prophezeite der Professor für angewandte Studienwissenschaften. Für Kunze gehören zu AAL vor allem drei Kategorien:

  • Hilfsmittel, die Ressourcen erhalten, etwa Telemonitoring,
  • Hilfen zur Teilhabe am Alltag, etwa Kommunikationssysteme wie die derzeit rasant wachsende Videotelefonie,
  • Systeme zur Unterstützung professioneller Pflegekräfte, etwa in der Pflegeplanung oder der Dokumentation.

Neue Formen der Unterstützung könnten sich entweder entwickeln, wenn der Bedarf da ist durch gesellschaftliche Entwicklungen wie der demografische Wandel oder durch revolutionäre technische Entwicklungen, wie das zum Beispiel durch die Smartphones derzeit der Fall sei.

Mit Apps könnten zu "sehr geringen Kosten" pro Nutzer Lösungen für Menschen entwickelt werden, die das Leben deutlich erleichterten, etwa eine Art Navigationssystem für sehbehinderte Menschen und vieles andere mehr.

Die Akzeptanz von Smartphones bei älteren Menschen werde häufig unterschätzt, gerade fürs iPhone und Co sieht Kunze daher viele Einsatzfelder auch bei Senioren.

Hausnotrufsysteme führte Kunze ebenfalls als Beispiel an. Die Technik habe sich seit 25 Jahren nicht geändert. Aber für viele Menschen sei es nicht attraktiv, die Sensoren oder den Alarmknopf am Körper zu tragen.

"Ziel ist es, die Sensorik weg vom Körper zu bekommen und eine passive Alarmierung hin zu bekommen", betonte Kunze. Wie vor kurzem gemeldet, will die Deutsche Telekom Anfang 2013 ein solches System auf den Markt bringen.

Mit Hilfe von Sensoren etwa an der Klospülung, am Kühlschrank, zur Sturzmeldung am Fußboden oder am Herd könnten betreuende Pflegedienste bei intelligenten Systemen den Aktivitätslevel betreuter Patienten verfolgen und dann im Notfall eingreifen.

Ob allerdings gerade ältere Menschen sich gerade bei der Klospülung zuschauen lassen möchten, das ist noch nicht ausgemacht, zeigte sich an Rückmeldungen beim Forum in Freiburg.

Die Akzeptanz und Praxistauglichkeit solcher Systeme zu erhöhen gehört laut Kunze zu den nächsten Zielen. Die Hauptprobleme: es gibt zu viele Insellösungen, die Einbettung von AAL-Lösungen in existierende Versorgungsstrukturen muss bewältigt werden, beim Datenschutz sind laut Kunze noch große Anstrengungen nötig.

"Am Ende muss immer klar sein, dass die technische Assistenz menschliche Zuwendung nicht ersetzen, sondern eher mehr Zeit für Zuwendung ermöglichen soll", betonte Kunze abschließend.

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