Herzchirurgie bei Frühgeborenen

Weltrekord für kleinen Helfer bei Herz-Op

Die Herz-Lungen-Maschine mit dem weltweit kleinsten Füllvolumen hat nun Guinness-Lorbeeren erhalten.

Veröffentlicht: 05.01.2018, 08:01 Uhr

BERLIN. Der am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) tätige Kardiotechniker Wolfgang Böttcher kann sich ab sofort in die Guinness-Rekordhalter einreihen. Die "Guinness World of Records"-Gesellschaft verlieh Böttcher vor Kurzem das offizielle Zertifikat für die Herz-Lungen-Maschine (HLM) mit dem weltweit kleinsten Füllvolumen, wie das DHZB mitteilt. 73 Milliliter Füllvolumen der Herz-Lungen-Maschine seien nicht nur Weltrekord, sondern erlaubten die fremdblutfreie Op selbst bei frühgeborenen Säuglingen von unter 2000 Gramm Geburtsgewicht, wie das DHZB betont.

Eine HLM, die nicht mit Spenderblut befüllt werden muss, sei zudem schneller wieder einsetzbar und stehe für den nächsten Patienten rascher bereit. Inzwischen gilt das DHZB nach eigenen Angaben als weltweit einziges Herzzentrum, in dem fremdblutfreie Eingriffe bei Neu- und Frühgeborenen routinemäßig und ohne Sicherheitsrisiko durchgeführt werden können.

Komplexe angeborene Herzfehler müssen meist sehr bald nach der Geburt operiert werden. Dabei wird das Herz, so das DHZB, vorübergehend stillgelegt und eine HLM eingesetzt. Diese müsse vorab befüllt werden, weil sie sonst Luft in den Körper pumpen würde. Früher sei dazu Spenderblut verwendet worden, das aber trotz sorgfältigster Prüfung noch immer ein Risiko für Infektionen und Unverträglichkeitsreaktionen berge.

Heute werde deshalb zur Befüllung der HLM deshalb meist eine sterile Elektrolytlösung eingesetzt. Die dadurch verursachte vorübergehende Verdünnung des Blutes sei bei erwachsenen Patienten nachweislich harmlos. Bei Neugeborenen oder Kleinkindern wirke sich eine solche Verdünnung aber weit drastischer aus: Denn in den kleinen Körpern zirkulieren nur wenige hundert Milliliter Blut (rund 85 ml pro Kilogramm Körpergewicht). Eine Vorab-Befüllung mit Spenderblut sei deshalb trotz aller Risiken und Nachteile oft unumgänglich gewesen. (maw)

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