Ärzte Zeitung online, 11.05.2018

(Muster-)Weiterbildungsordnung

"Bitte keine Diskussion um Beschlossenes!"

Der Freitag stand beim Ärztetag ganz im Zeichen der (Muster-) Weiterbildungsordnung. Ein Blick auf den Debattenverlauf.

Von Christoph Barkewitz

"Bitte keine Diskussion um Beschlossenes!"

Dr. Franz Bartmann, Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der BÄK, stellte die Muster-Weiterbildungsordnung vor.

© ill

ERFURT. Mehrere Stunden dauerte die Aussprache zur (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO), mehr als 50 Redner meldeten sich zu Wort, um über mehr als 80 gesonderte Anträge zu diskutieren – es bestand gewaltiger Gesprächsbedarf zur Novelle. Nach der einstündigen Vorstellung des Papiers durch Dr. Franz Bartmann, dem Vorsitzenden der Weiterbildungsgremien der BÄK, hatte eine Delegierte zwar eine Verkürzung der Redezeit von drei auf zwei Minuten erwirkt, durch Anträge auf zweite Lesung mancher Punkte wurde der Zeitgewinn aber wohl wieder aufgehoben.

Mit einem steten Wechsel aus Langmut und Ungeduld leitete BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery die Sitzung – nur einem Zeitlimit gelenkt: Er habe seiner Frau verspochen, bis Mitternacht zu Hause zu sein. Ungeduld kam bei vielen im Saal immer dann auf, wenn Kollegen erneut über Dinge abstimmen wollten, die insbesondere im "Kopfteil B" Beschlusslage waren. "Lassen Sie uns nicht wieder Flanken aufmachen, die bereits demokratisch beschlossen wurden", mahnte etwa der baden-württembergische Abgeordnete Carsten Mohrhardt. Als vorletzter Redner appellierte Gerald Quitterer vom BÄK-Vorstand: "Wir brauchen keine neue Diskussion um den Teil B, das wurde alles letztes Jahr abgestimmt." Mit Erfolg: Alle Anträge zu diesem Komplex wurden mit "Nichtbefassung" beschieden.

Die Vertreter von Spezialdisziplinen warben mit Inbrunst um den Beibehalt oder die Neuaufnahme in den Katalog der Zusatz-Weiterbildungen. Nicht alle hatten Erfolg. Eine Gruppe allerdings, die sich vor dem Ärztetag lautstark zu Wort gemeldet hatte, konnte sich durchsetzen: Mit einem letztlich klaren Abstimmungsverhältnis von 124 zu 82 stimmten die Delegierten für den Erhalt der Zusatz-Weiterbildung Phlebologie. Bartmann hatte den Phlebologen zuvor eine "Kampagne" vorgeworfen.

Die vorab heftig diskutierte Homöopathie wurde nicht gesondert debattiert und findet damit als Zusatz-Weiterbildung Eingang in die Novelle.

Manchmal ging es auch nicht um wirklich Medizinisches – sondern die politisch korrekte Ansprache. Einen Antrag einer Ärztin aus Nordrhein, die MWBO solle "entsprechend der üblichen Regelungen in der korrekt gendergerechten Sprache abgefasst werden", forderte ein Herr aus Mecklenburg-Vorpommern abzulehnen: "Da entstehen sonst Wortungetüme." Die Warnung zog offenbar – Nichtbefassung lautete das Votum im Plenum.

Lesen Sie dazu auch:
Ärztetag: Die MWBO-Debatte in zwölf Tweets

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