Ärzte Zeitung, 27.05.2008

Homöopathika lindern Brechdurchfall

Sechs homöopathische Arzneimittel werden bei Gastroenteritis empfohlen / Differenzierung nach Symptomen

KÖLN (ug). Bei akuten Krankheiten kann man mit der indikationsbezogenen Homöopathie und bewährten Arzneimitteln schnell erfolgreich sein. Die Methode eignet sich besonders für Ärzte, die erst mit Homöopathie beginnen. Allerdings hilft die Diagnose allein nicht weiter. Um das am besten geeignete Mittel zu finden, muss genau nach Symptomen differenziert werden. Zum Beispiel bei Gastroenteritis.

 Homöopathika lindern Brechdurchfall

Untersuchung bei Gastroenteritis: Phosphorus hilft, wenn Patienten vor Aufregung krank sind und eine Massage die Beschwerden lindert.

Foto: Swifter©www.fotolia.de

Bei der indikationsbezogenen oder organotropen Homöopathie ist keine stundenlange Anamnese nötig. Diese Methode geht schnell. In wenigen Minuten sind die entscheidenden Hinweise erfragt. Das zeigte Dr. Andreas Wacker, ein in Mannheim niedergelassener Arzt für Homöopathie, am Beispiel der akuten Gastroenteritis. Auf der Fortbildungsveranstaltung "Homöopathie für die tägliche Praxis", die die "Ärzte Zeitung" in Köln ausgerichtet hatte, stellte er die sechs wichtigsten Arzneien und ihre Leitsymptome vor. Wacker setzt die Potenz D12 ein.

Arsenicum album hilft bei brennenden Schmerzen

Arsenicum album (Arsen): Das ist die wichtigste Arznei für plötzlich auftretende Durchfälle mit oder ohne Erbrechen. "Die wichtigste Empfindung ist Brennen wie Feuer", sagte Wacker. Die Patienten haben brennende Schmerzen. Körperabsonderungen wie Durchfall sind scharf und machen wund. Auffallend ist auch eine starke Kälteempfindlichkeit. Trotzdem verlangen die Patienten nach kaltem Wasser, das aber sofort wieder erbrochen wird. Die Beschwerden sind nachts schlimmer, besonders um 1 Uhr nachts. Die Patienten haben typischerweise eine blasse, graue, ungesunde Gesichtsfarbe und sind sehr ängstlich. Essensgeruch ist ihnen unerträglich. Schon der Anblick von Speisen kann zu Erbrechen führen.

Nux vomica (Brechnuss): Das Mittel wird auch die Manager-Arznei genannt. Die Patienten sind hektisch, gestresst, ärgerlich, ungeduldig, leiden unter Schlafentzug und neigen zu Exzessen. Die gastroenteritischen Beschwerden sind meist Folgen von Essens- und Trinkgelagen. Ein wichtiges Leitsymptom ist der Wechsel von Hitze- (mit oder ohne Schwitzen) und Frostgefühlen. Die Beschwerden bessern sich in Ruhe und schon durch ein kurzes Schläfchen.

Bei großer Erregbarkeit ist Phosphorus zu empfehlen

Phosphorus (Gelber Phosphor): Der typische Hinweis auf dieses Mittel ist große Erregbarkeit. Die Beschwerden treten etwa vor einer wichtigen Veranstaltung auf, die Patienten werden vor Aufregung krank. Vor allem Kinder, aber auch Erwachsene sind sehr empfänglich für Berührungen. Es geht ihnen schon besser, wenn die Hand aufgelegt oder der Bauch massiert wird. Ein Leitsymptom ist außerdem ebenfalls das Verlangen nach kalten Getränken. Auch hier werden sie wieder erbrochen, aber nicht sofort, sondern erst nach zehn bis 20 Minuten.

Veratrum album (Weißer Germer, Weiße Nieswurz): Das ist die homöopathische Kollaps-Arznei. Bei gastroenterologischen Beschwerden wird sie eingesetzt, wenn die Patienten kaltschweißig und sehr schwach sind. "Die Modalitäten sind in diesem Fall etwas kurios", so Wacker auf der Veranstaltung, die die Deutsche Homöopathie-Union unterstützt hat: Denn den Patienten geht es besser, wenn sie warme Milch trinken oder Fleisch essen.

Carbo vegetabilis nützt bei extremen Blähungen

Carbo vegetabilis (Holzkohle): Die Magen-Darm-Beschwerden gehen oft auf verdorbene Nahrungsmittel zurück. Typisch sind extreme Blähungen vor dem Durchfall. Patienten sind auffallend kalt, haben eine kalte Nase oder gar einen kalten Atem.

Ipecacuanha (Brechwurzel): Dieses Mittel ist angezeigt bei Husten und Erbrechen. Vor allem bei Kindern seien diese Symptome häufig gekoppelt, sagte Wacker. Leitsymptom ist, dass Erbrechen keine Erleichterung bringt, sondern die Situation eher verschlimmert.

Leitfaden zur Homöopathie

Das nächste Seminar "Homöopathie für die tägliche Praxis" findet am 28. Juni 2008 in Unterhaching statt. Für die Veranstaltung sind 8 CME-Punkte beantragt.

Anmeldung und Informationen: mareen.buelte@aerztezeitung.de, Fax 0 61 02 / 506 44 166.

Weitere Termine sind am 27. September 2008 in Hamburg und am 8. November 2008 in Dresden.

Bei den Seminaren gibt es als Seminarunterlagen das Handbuch Homöopathie - ein praktischer Leitfaden. Darin geben erfahrene niedergelassene Kollegen zu vielen Indikationen praxisrelevante Tipps und Therapievorschläge. Und: Online kann man damit bis zu 26 Punkte sammeln. Das Handbuch kann auch gesondert bestellt werden zum Preis von 30 Euro plus 7 Euro Versand.

Bezug: Ärzte Zeitung Verlagsgesellschaft mbH, Am Forsthaus Gravenbruch 5, 63263 Neu-Isenburg,  Tel.: 0 61 02 / 506- 148; Fax: - 44 148, E-Mail: vertrieb@aerztezeitung.de

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