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Übergewicht erhöht Diabetesrisiko - Prognose hängt von den Genen ab

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Je nach Veranlagung könnte für manche Menschen Sport zur Diabetesprävention wichtiger sein als für andere.

Je nach Veranlagung könnte für manche Menschen Sport zur Diabetesprävention wichtiger sein als für andere.

© Foto: Dirk Hoppe

MÜNCHEN (sto). Nicht jeder Übergewichtige bekommt Diabetes, und ein gesunder Lebensstil wirkt sich nicht immer gleich positiv aus. Liegt es also an den Genen, ob jemand Diabetiker wird? Zwar sagt der Taillenumfang mehr über das Diabetesrisiko aus als genetische Veranlagungen. Genanalysen könnten aber wichtig werden, um die Wirksamkeit von Prävention oder Therapie abzuschätzen.

Für die Vorhersage der Krankheit selbst und die Risikostratifizierung habe die Genetik allenfalls eine untergeordnete Bedeutung, sagte der Internist Privatdozent Andreas Fritsche von der Universität Tübingen bei einer Adipositas-Tagung in München. Ernährung und Bewegung haben einen wesentlich größeren Einfluss auf die Pathomechanismen des Diabetes. "Fitness oder Taillenumfang sind wichtiger als die Bestimmung genetischer Faktoren", sagte Fritsche.

Gleichwohl werde die Genetik ge-braucht, und zwar um die Wirksam-keit etwa von Prävention und Therapie zu untersuchen. So sei inzwischen bekannt, dass Menschen mit einem Risikoallel, dem TCF7L2-Polymorphismus, eine verringerte Insulinsekretion haben. Menschen mit diesem Risikoallel nutze es zum Beispiel nichts, wenn sie viel Vollkornbrot und Ballaststoffe zu sich nehmen, um ihr Diabetesrisiko zu reduzieren, so Fritsche. Und auch eine Behandlung mit einem Sulfonylharnstoff führe bei ihnen deutlich seltener zu einer guten Blutzuckereinstellung mit einem HbA1c unter 7 Prozent, wohingegen Metformin uneingeschränkt wirke.

Solche Erkenntnisse sollten insbesondere bei Präventionsprogrammen berücksichtigt werden, empfahl Fritsche.

Nach Ergebnissen der evidenzbasierten Medizin liege die Number needed to Treat (NNT) für die Prävention von Diabetes zwischen fünf und 14. Das bedeute, dass wenigstens fünf Menschen an den mehrjährigen intensiven Programmen teilnehmen müssten, damit bei einem Menschen die Entstehung eines Diabetes vermieden wird. Das sei bei den knappen Ressourcen im Gesundheitswesen auf Dauer aber nicht möglich.

Ziel sei es daher, Langzeitprädiktoren zu finden, aus denen man ablesen kann, wer trotz einer Änderung des Lebensstils Diabetes bekommt und warum, erklärte Fritsche. Dann könnten Menschen aus Hochrisikogruppen in Präventionsprogramme aufgenommen werden. Menschen, die kein Diabetesrisiko haben, können aber ausgeschlossen bleiben, selbst wenn sie etwas übergewichtig sind.

In der seit 2003 laufenden TULIP-Studie (Tübinger Lebensstil Interventionsprogramm) mit inzwischen etwa 400 Teilnehmern werde untersucht, wer von welchen Maßnahmen wie Sport oder Diät besonders profitiert und wer für eine frühe medikamentöse Behandlung in Frage kommt.

Mehr Informationen zu Diabetes und Übergewicht gibt es im Internet unter www.aerztezeitung.de

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