Ärzte Zeitung, 17.05.2005

Embolieverdacht? Gleich zur Angiographie mit CT!

Ein Test auf D-Dimere dient vor allem dem Ausschluß einer Lungenembolie, wenn die Gefahr dafür gering ist

BERLIN (gvg). Vor einer Überbewertung der Fibrinogen-Spaltprodukte (D-Dimere) bei Verdacht auf Lungenarterien-Embolie (LAE) wurde auf dem Deutschen Ärztekongreß in Berlin gewarnt. Bei Patienten, bei denen eine LAE wahrscheinlich ist, führe eine Bestimmung nur zu Verzögerungen der Therapie.

Der Serumwert für D-Dimere ist erhöht, wenn irgendwo im Körper eine Fibrinolyse stattfindet. Bei der LAE-Diagnostik hat eine Erhöhung des D-Dimer-Werts eine hohe diagnostische Sensitivität, aber eine sehr geringe Spezifität.

"Die Bestimmung der D-Dimere ist nur dann erforderlich, wenn die Wahrscheinlichkeit, daß wirklich eine LAE vorliegt, gering ist", sagte Dr. Reinhard Erbes von der Lungenklinik Heckeshorn in Berlin. Bei diesen Patienten dient die Bestimmung dem Ausschluß einer LAE. Wenn der Wert nicht erhöht ist, sei keine weitere Diagnostik auf LAE erforderlich.

Anders sieht die Situation aus, wenn ein erheblicher Verdacht auf eine LAE besteht, etwa bei klinischen Zeichen einer Thrombose, aber auch, wenn eine Thrombose oder Embolie in der Anamnese bekannt ist und gleichzeitig die Herzfrequenz stark erhöht oder die Blutgasanalyse auffällig ist. "Solche Patienten, die eine hohe Wahrscheinlichkeit einer LAE haben, sollten ohne Zeit zu verlieren direkt eine bildgebende Diagnostik erhalten", so Erbes.

Standard sei hier die Thorax-Angiographie mittels CT. Eine Alternative ist die Ventilations-Perfusions-Szintigraphie der Lunge. Keinen Sinn mache es, einen erhöhten D-Dimer-Wert im Verlauf zu kontrollieren.

STICHWORT

Fibrinogen-Spaltprodukte

Beim Abbau von Blutgerinnseln werden Fibrinogenmoleküle gespalten. Die Spaltprodukte (D-Dimere) dienen als Marker für vermehrte Blutgerinnung. Normal ist ein Serumwert unter 180 µg/l. Erhöht ist der Wert etwa bei Lungenembolie oder peripheren Thrombosen, aber auch Arzneien und Krebs können den Wert steigern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »