Direkt zum Inhaltsbereich

Kopftuchnadeln auf Abwegen

Seitdem es modern ist, das Kopftuch nicht mehr mit Sicherheitsnadeln, sondern mit spitzen Nadeln zu fixieren, steigt die Zahl junger Musliminnen, die ihre Kopftuch nadel versehentlich aspirieren.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
Bei jungen Musliminnen ist es inzwischen Mode, das Kopftuch mit spitzen Nadeln zu fixieren.

Bei jungen Musliminnen ist es inzwischen Mode, das Kopftuch mit spitzen Nadeln zu fixieren.

© erwinova / shutterstock.com

JERUSALEM. Israelische HNO-Ärzte beobachten ein neues Phänomen, das dem Ausdruck "fashion victim" eine ganz neue Bedeutung verleiht: die Kopftuchnadelaspiration.

Zwischen den Jahren 2001 und 2010 wurden an der Hadassah-Hebrew Universitätsklinik in Jerusalem 26 Frauen behandelt, denen Kopftuchnadeln in die Atemwege geraten waren (Laryngoscope online 28. Februar).

Dabei handelte es sich ausschließlich um junge Musliminnen, alle zwischen 12 und 33 Jahre alt.

Erstaunlicherweise ist aus den Jahren zuvor kein einziges solches Ereignis bekannt.

Als Ursache für dieses Phänomen vermuten die Autoren einen neuen Modetrend: Bei jungen Musliminnen ist es inzwischen Mode, das Kopftuch mit spitzen Nadeln zu fixieren und nicht mehr - wie es ihre Mütter taten - mit Sicherheitsnadeln.

Halten sie dann beim Anlegen des Kopftuches die Nadeln zwischen den Lippen, besteht die Gefahr der Aspiration, schreiben die Kollegen aus Jerusalem.

Solange dieser Modetrend anhält, sei es wichtig, dass Ärzte von diesem Risiko wissen und bei jungen Musliminnen mit Aspirationssymptomen daran denken. Mit einer exakt erhobenen Anamnese und einer Röntgenthoraxaufnahme sei die Diagnose dann leicht zu stellen.

Zusätzlich eine laterale Röntgenaufnahme

Ob die Nadel in der Trachea oder doch vielleicht im Ösophagus stecke, lasse sich aber nur differenzieren, wenn zusätzlich zur A. p.- auch eine laterale Röntgenaufnahme vorliege, so das Ärzteteam.

Eine Patientin, die sich bei ihnen vorstellte, hatte Glück: Sie hustete die Nadel wieder aus. Bei rund der Hälfte der jungen Frauen jedoch blieb die Nadel in der Trachea stecken, bei sieben gelangte sie in den rechten Lungenflügel, und bei acht in den linken.

lücklicherweise ließ sich das Corpus Delicti bei fast allen Frauen, nämlich zwanzig, komplikationslos über ein starres Bronchoskop ent fernen. Bei dreien musste die Bronchoskopie unter Durchleuchtung erfolgen .

Die Autoren empfehlen das starre Bronchoskop, einerseits, weil die Atemwege kontrolliert werden können und die Handhabung weniger Training erfordert; andererseits, weil die Spitze der Nadel in das Bronchoskop gezogen werden kann und so das Verletzungsrisiko beim Herausziehen geringer ist.

Doch nicht bei allem Mädchen lief es so glimpflich ab: Bei immerhin zweien kamen die Mediziner nicht umhin, den Brustkorb zu öffnen, um die Nadel zu entfernen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Logo Digiteneers - Vertidisan

© Digitineers

Digitineers

Bei Schwindel – Vertidisan®: Die Therapie-App

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Doctolib

Doctolib

Mehr Service: KI-Assistenz rund um die Privatbehandlung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Besser als Atemtherapie?

Supragastrisches Aufstoßen lässt sich mit Gesang vertreiben

Lesetipps
Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Ein Arzt zählt mit den Fingern bis Drei.

© Arnéll Koegelenberg/peopleimages.com/stock.adobe.com

Regionaler Multimorbiditäts-Vergleich

Wo es relativ viele Ü-50-Jährige mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen gibt