Ärzte Zeitung, 12.03.2012

Kopftuchnadeln auf Abwegen

Seitdem es modern ist, das Kopftuch nicht mehr mit Sicherheitsnadeln, sondern mit spitzen Nadeln zu fixieren, steigt die Zahl junger Musliminnen, die ihre Kopftuch nadel versehentlich aspirieren.

Von Dagmar Kraus

Aspiration: Kopftuchnadeln auf Abwegen

Bei jungen Musliminnen ist es inzwischen Mode, das Kopftuch mit spitzen Nadeln zu fixieren.

© erwinova / shutterstock.com

JERUSALEM. Israelische HNO-Ärzte beobachten ein neues Phänomen, das dem Ausdruck "fashion victim" eine ganz neue Bedeutung verleiht: die Kopftuchnadelaspiration.

Zwischen den Jahren 2001 und 2010 wurden an der Hadassah-Hebrew Universitätsklinik in Jerusalem 26 Frauen behandelt, denen Kopftuchnadeln in die Atemwege geraten waren (Laryngoscope online 28. Februar).

Dabei handelte es sich ausschließlich um junge Musliminnen, alle zwischen 12 und 33 Jahre alt.

Erstaunlicherweise ist aus den Jahren zuvor kein einziges solches Ereignis bekannt.

Als Ursache für dieses Phänomen vermuten die Autoren einen neuen Modetrend: Bei jungen Musliminnen ist es inzwischen Mode, das Kopftuch mit spitzen Nadeln zu fixieren und nicht mehr - wie es ihre Mütter taten - mit Sicherheitsnadeln.

Halten sie dann beim Anlegen des Kopftuches die Nadeln zwischen den Lippen, besteht die Gefahr der Aspiration, schreiben die Kollegen aus Jerusalem.

Solange dieser Modetrend anhält, sei es wichtig, dass Ärzte von diesem Risiko wissen und bei jungen Musliminnen mit Aspirationssymptomen daran denken. Mit einer exakt erhobenen Anamnese und einer Röntgenthoraxaufnahme sei die Diagnose dann leicht zu stellen.

Zusätzlich eine laterale Röntgenaufnahme

Ob die Nadel in der Trachea oder doch vielleicht im Ösophagus stecke, lasse sich aber nur differenzieren, wenn zusätzlich zur A. p.- auch eine laterale Röntgenaufnahme vorliege, so das Ärzteteam.

Eine Patientin, die sich bei ihnen vorstellte, hatte Glück: Sie hustete die Nadel wieder aus. Bei rund der Hälfte der jungen Frauen jedoch blieb die Nadel in der Trachea stecken, bei sieben gelangte sie in den rechten Lungenflügel, und bei acht in den linken.

lücklicherweise ließ sich das Corpus Delicti bei fast allen Frauen, nämlich zwanzig, komplikationslos über ein starres Bronchoskop ent fernen. Bei dreien musste die Bronchoskopie unter Durchleuchtung erfolgen .

Die Autoren empfehlen das starre Bronchoskop, einerseits, weil die Atemwege kontrolliert werden können und die Handhabung weniger Training erfordert; andererseits, weil die Spitze der Nadel in das Bronchoskop gezogen werden kann und so das Verletzungsrisiko beim Herausziehen geringer ist.

Doch nicht bei allem Mädchen lief es so glimpflich ab: Bei immerhin zweien kamen die Mediziner nicht umhin, den Brustkorb zu öffnen, um die Nadel zu entfernen.

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