Ärzte Zeitung, 23.02.2010

Kräftiger Händedruck - langes Leben?

Gerontologie: Messung der Handkraft ermöglicht bei Hochbetagten Rückschlüsse auf das Sterberisiko

LEIDEN (ner). Der Handschlag zur Begrüßung eines alten Menschen sagt mehr über den Gesundheitszustand aus, als mancher denkt. Eine abnehmende Handkraft, berichten niederländische Kollegen, sei signifikant mit der Sterberate assoziiert.

Kräftiger Händedruck - langes Leben?

Ein starker Händedruck ist ein Zeichen von Vitalität © Alexander Raths / fotolia.com

Die Messung der Handkraft per Dynamometer sollte Teil der geriatrischen Untersuchung werden. Das ist die Auffassung von Dr. Carolina H. Y. Ling von der Universität Leiden und ihren Kollegen. Mithilfe der Messwerte könne man bei alten Menschen unter anderem das Risiko für künftige Behinderungen abschätzen. Die Ärztin folgert dies aus einer prospektiven Studie mit 555 Einwohnern aus Leiden im Alter von 85 Jahren (CMAJ online).

Die Gerontologen hatten bei ihnen die Handkraft mit einem Dynamometer bestimmt und dies, wenn möglich, im Alter von 89 Jahren wiederholt - dies war bei etwas mehr als der Hälfte der Teilnehmer möglich gewesen.

Die Handkraft nahm in den vier Jahren bei Frauen von durchschnittlich 18,7 kg auf 16,4 kg ab, bei Männern von 30,6 auf 25,6 kg. Menschen mit schwachem Händedruck hatten signifikant gehäuft kardiovaskuläre Krankheiten, hatten schlechtere Werte im Mini Mental Status Test und waren eher depressiv als Teilnehmer mit vergleichsweise starkem Händedruck. Auch wies ein schwacher Händedruck auf Behinderungen im täglichen Leben hin. Jedes Jahr nahm die Handkraft im Mittel um 1,5 kg ab, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Je schneller dies geschah, desto größer war das Sterberisiko.

Der Grund für die enge Korrelation von Handkraft und Sterberate ist unklar. Die Muskelkraft könnte ein Surrogatparameter für andere Faktoren sein, die die Mortalität beeinflussen.

Aus anderen Studien ist bekannt, dass, wenn es gelingt, die physische Kraft bei alten Menschen beizubehalten, auch die Sterblichkeit reduziert wird. Insofern, so Ling und ihre Kollegen, biete die Studie für Hausärzte eine Grundlage dafür, präventiv bei geriatrischen Patienten tätig werden zu können. So ist Bewegungsmangel in der wachsenden Gruppe der hochbetagten Menschen ein großes Gesundheitsproblem. Mit dem Test ließen sich auch Strategien zur Erhaltung der Muskelkraft bewerten, so die Gerontologen.

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