Ärzte Zeitung, 06.12.2007
 

Erste Erfolge mit Impfstoff gegen Bluthochdruck

Studie zur Wirksamkeit einer Vakzine, die die Bildung von Antikörpern gegen Angiotensin II induziert

ORLANDO (ob). Trotz eines großen Angebots an Antihypertensiva ist der Anteil der Hypertoniker mit guter Blutdruckkontrolle enttäuschend gering. Einer der Gründe ist mangelnde Therapietreue der Patienten. Ein Ausweg aus diesem Dilemma könnte eine Impfung gegen Bluthochdruck sein.

 Erste Erfolge mit Impfstoff gegen Bluthochdruck

Wird die Impfungen künftig zur Strategie auch bei Patienten mit hohem Blutdruck?

Foto: Service Impfen Aktuell

Was nach futuristischer Behandlungsstrategie klingt, ist bereits erfolgreich in einer Placebo-kontrollierten Phase-II-Studie getestet worden. Deren Ergebnisse hat Dr. Jürg Nussberger von der Universität Vaudois in Lausanne beim AHA-Kongress vorgestellt. Die Impfung war auch kürzlich bei der Tagung der Hochdruck-Liga in Bochum Thema.

Die in dieser Studie geprüfte Vakzine CYT006-AngQb induziert die Bildung von Antikörpern, die gegen Angiotensin II gerichtet sind. Nach Impfung mit der höheren von zwei getesteten Impfdosen (100 oder 300 µg) stellten die Untersucher mit ambulanter 24-Stunden-Blutdruckmessung eine signifikante Blutdrucksenkung fest. Im Mittel wurde der systolische Blutdruck im Tagesverlauf um 5,6 mmHg und der diastolische um 2,8 mmHg gesenkt.

Blutdrucksenkung am Morgen war besonders ausgeprägt

Am stärksten erniedrigt war der Blutdruck in den Morgenstunden mit einem Maximum zwischen fünf und acht Uhr, betonte Nussberger. In dieser Phase, in der kardiovaskuläre Ereignisse bekanntlich besonders häufig auftreten und die Wirkung einer am Morgen des Vortages seingenommenen Blutdrucksenkers nicht mehr ausreichend sein kann, war bei den Geimpften im Vergleich zu Placebo eine signifikante Blutdrucksenkung um 25/13 mmHg nachweisbar.

Teilgenommen an der Studie haben 72 Hypertoniker mit mildem bis moderatem Bluthochdruck. Daten wurden über vier Monate erhoben, danach noch über weitere acht Monate Daten zur Sicherheit.. Vakzine und Placebo wurden zu Studienbeginn, nach einem Monat sowie nach drei Monaten injiziert. In der 14. Woche wurde die Langzeit-Blutdruckmesung vorgenommen.

Unerwünschte Wirkungen wie lokale Reaktionen an der Injektionsstelle waren mild und in der Vakzine-Gruppe nicht häufiger als bei Placebo. Die Halbwertszeit des Antikörper-Titers beträgt etwa vier Monate; drei Impfungen pro Jahr könnten ausreichen, schätzt Nussberger.

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