Ärzte Zeitung, 06.02.2012

Kommentar

Fragwürdige Praxis beim Tetanusschutz

Von Wolfgang Geissel

Dass einige chirurgische Kliniken aus wirtschaftlichen Gründen bei ihren Patienten die Tetanus-Monoimpfstoffe und nicht die teureren Kombivakzinen mit Diphtherie und Pertussis einsetzen, ist ein Skandal.

Zum einen werden damit Impflücken bewusst in Kauf genommen. Denn ob sich ein Patient etwa nach einer Klinik-Wundbehandlung für die fehlenden Impfungen anschließend zum Hausarzt begibt, ist auf keinen Fall sicher. Zum anderen setzt man hier Patienten auch unnötig möglichen schweren Impfreaktionen aus.

Für die fehlenden Impfungen, die nur mit Kombivakzinen (mit Tetanus-Komponente) abgedeckt werden können, muss ja der empfohlene Abstand von fünf Jahren zwischen zwei Tetanus-Impfungen unterschritten werden.

Öffentliche Empfehlungen werden hier bewusst falsch interpretiert. Die Anmerkung der STIKO, dass sich der Fünf-Jahres-Abstand zwischen zwei Tetanus-Impfungen auch unterschreiten lässt - ist für Ausnahmen gedacht und nicht als Regelfall.

Impfende Ärzte müssen dabei immer auch über das mögliche Auftreten von verstärkten - meist lokalen - Impfreaktionen informieren. Hausärzte sollten betroffene Patienten dabei auch auf die fragwürdige Praxis in den Kliniken hinweisen.

Lesen Sie dazu auch:
Tetanus-Impfung auch im Notfall mit Kombivakzine

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchesters bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »