Ärzte Zeitung, 16.02.2015

Tollwut

Der Impfstoff kann knapp werden

Engpässe beim Zellkulturimpfstoff gegen Tollwut sind keine Seltenheit mehr. Wer in Endemiegebiete reist, sollte diese lebensrettende Impfung daher rechtzeitig planen — trotz Option zur Schnellimmunisierung.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Der Impfstoff kann knapp werden

Impfberatung: Vor der Reise in Tollwutendemiegebiete sollte der Impfstatus geprüft werden.

© Alexander Raths / fotolia.com

BERLIN. Derzeit ist es mal wieder so weit: "Einer der beiden im Handel befindlichen Zellkulturimpfstoffe gegen Tollwut ist schon seit Wochen nicht mehr lieferbar.

Frühestens Mitte Februar kommt er wieder in den Handel", sagte der Tropenmediziner Professor Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin bei einer Veranstaltung im Vorfeld des 16. Forums Reisen und Gesundheit in Berlin.

Glück im Unglück: Der zweite Zellkulturimpfstoff gegen Tollwut ist lieferbar, sodass Reisende nach Indien oder China auch kurzfristig versorgt werden können.

Trotzdem rät Jelinek Reisenden in Tollwutendemiegebiete dringend, möglichst lange vor Reisebeginn die Tollwutimpfung in Angriff zu nehmen.

Mehrere Engpässe pro Jahr

Es gebe mittlerweile mehrere derartige Engpässe pro Jahr, und es sei auch schon vorgekommen, dass beide Impfstoffe gleichzeitig nicht lieferbar waren.

Von einer Impfung im Zielland rät Jelinek tendenziell ab. Die dort oft eingesetzten älteren Impfstoffe, die zwar regelmäßig erhältlich sind, aber nicht auf Zellkulturbasis hergestellt werden, gelten als weniger gut verträglich.

Vor kurzem habe es in Indien sogar zwei Todesfälle als Folge von Tollwutimpfungen mit älteren Impfstoffen gegeben.

Was das Impfschema angeht, sei die Tollwutimpfung in den letzten Jahren eher unkomplizierter und vor allem schneller geworden. Standard sei, dass die drei Impfungen für den Vollschutz innerhalb von drei Wochen verabreicht werden.

"Notfalls geht das aber auch innerhalb von einer Woche, das zeigen neue Daten zur Schnellimmunisierung", so Jelinek.

Auch bei der vierten Impfung, die typischerweise nach der Reise erfolgt, um einen langfristigen Impfschutz zu erreichen, ist man flexibler geworden. Lange Zeit wurde empfohlen, diese Impfung strikt ein Jahr nach der Grundimmunisierung zu verabreichen.

Mittlerweile wisse man aber, dass es auch reiche, wenn die vierte Impfung bei der nächsten potenziellen Exposition erfolge, so Jelinek. Die Grundimmunisierung verfällt also nicht, wenn nicht genau nach einem Jahr wieder geimpft wird.

Wahrscheinlich halte der Impfschutz auch deutlich länger als jene drei bis fünf Jahre, die bisher als Auffrischungsintervall empfohlen wurden.

"Es gibt nach wie vor keinen einzigen Fall weltweit, bei dem ein mit Zellkulturimpfstoff geimpfter Patient an Tollwut erkrankt wäre", so Jelinek.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Frühstück zu verzichten erhöht Diabetes-Gefahr

Wer das Frühststücken auslässt, erhöht damit womöglich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Eine Metaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt: Die Gefahr wächst mit den Tagen. mehr »

Grünes Licht für die MWBO-Novelle

Weniger Richtzeiten und kompetenzbasiertes Lernen: Der Vorstand der Bundesärztekammer hat die Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung beschlossen. mehr »

Verdacht auf Kindesmisshandlung? Das sollten Ärzte dann tun

Haben Ärzte den Verdacht, dass ein Kind vernachlässigt, misshandelt oder gar missbraucht wird, sollten sie umgehend tätig werden. Wie sie vorgehen sollten, erläutert Oliver Berthold, Leiter der Kinderschutzambulanz in Berlin. mehr »