Ärzte Zeitung online, 15.08.2016

Afrika

Erste Fälle von Poliomyelitis seit über zwei Jahren

GENF. Ein Rückschlag im weltweiten Kampf gegen Poliomyelitis: In Nigeria haben sich zwei Kinder damit infiziert, berichtet die WHO. Die Fälle im Bundesstaat Borno im Nordosten des Landes sind die ersten Erkrankungen seit über zwei Jahren in Afrika. Die WHO, Nigeria und andere Partner planen nun weitflächige Impfaktionen, auch in den Nachbarstaaten.

"Die Welt kann es sich nicht leisten, kurz vor der Polio-Ausrottung selbstgefällig zu sein", sagte der für Polio zuständige WHO-Direktor, Michel Zaffran. Die Eradikation ist nämlich zum Greifen nahe: 1988 wurden weltweit noch 350.000 Erkrankungen registriert, 2016 nur noch 21 Fälle in Pakistan und Afghanistan.Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine ansteckende Virus-Erkrankung.

Sie wird hauptsächlich durch Fäkalien übertragen. Eine von 200 Infektionen führt laut WHO zu dauerhaften Lähmungen. Von diesen Erkrankten sterben fünf bis zehn Prozent, weil die Atemmuskeln betroffen sind. Eine spezielle Therapie gibt es nicht.

Bei dem Kampf gegen das Virus müssen die Helfer allerdings schwierige Hürden nehmen: Islamisten sehen in den Impfungen eine Verschwörung. So hatte der US-Geheimdienst CIA 2011 mit einer vorgetäuschten Impfaktion Osama bin Laden in Abbottabad in Pakistan aufgespürt. Mitarbeiter von Impfteams werden besonders in Nigeria und Pakistan immer wieder von Islamisten angegriffen und getötet.

Es sei aber wichtig, die Impfungen auch in umkämpften Zonen weiterzuführen, bekräftigte die WHO. Nur so könne Afrika ein poliofreier Kontinent werden. Doch die Attacken der sunnitischen Extremisten der Boko Haram gestalten die Hilfsaktionen in Nigeria äußerst schwierig. Die Miliz terrorisiert den Nordosten Nigerias und die angrenzenden Gebiete im Tschad, Niger und Kamerun. Seit 2009 haben sie mindestens 14.000 Menschen getötet. (dpa/eis)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Zwei Gläser Wein? Das lass lieber sein!

Wer täglich mehr als zwei Gläser Wein leert, hat ein erhöhtes Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Ob ein Komplettverzicht ratsam ist, bereitet Forschern noch Kopfzerbrechen. mehr »

Warum der Brexit körperlich krank macht

Übelkeit und Kurzatmig: Blogger Arndt Striegler hat mit seiner Hausärztin über seinen Gesundheitszustand und den Austritt aus der EU geredet – und einen Zusammenhang am eigenen Leib festgestellt. mehr »

Nach der Wahl muss Vernetzung auf die Agenda!

Gesundheitsminister Gröhe gibt einen Ausblick auf die nächste Legislaturperiode: Die stärkere Vernetzung der Akteure müsse dann höchste Priorität haben. Der Innovationsfonds soll zur Dauereinrichtung werden. mehr »