US-Studie

Viel Impfen schadet dem Immunsystem nicht

Auch viele Impfungen überfordern das Immunsystem von Kleinkindern nicht. Das bestätigt eine große Studie in den USA.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Bei viel geimpften Kindern gab es den Forschern zufolge kein erhöhtes Risiko für Infektionen.

Bei viel geimpften Kindern gab es den Forschern zufolge kein erhöhtes Risiko für Infektionen.

© Marcus Roczen / stock.adobe.com

DENVER. Impfgegner behaupten häufig, dass viele Impfungen das Immunsystem von Säuglingen und Kleinkindern überfordern und dadurch das Risiko für nicht-impfpräventable Infektionen steigt.

US-Forscher um Dr. Jason M. Glanz vom Institute for Health Research des US-Versicherers Kaiser Permanente in Denver haben deshalb die Anzahl solcher Infektionen bei viel geimpften Kindern und bei wenig oder gar nicht geimpften Kindern miteinander verglichen.

Basis der Fall-Kontroll-Studie war ein Register für Impfstoffsicherheit (Vaccine Safety Datalink). Untersucht wurden die Daten von 24 bis 47 Monate alten Kindern aus den Geburtsjahren 2003 bis 2013.

Diese waren stationär oder notfallmäßig wegen einer nicht-impfpräventablen Infektion behandelt worden. Diesen Fall-Kindern stellten die Forscher Kontroll-Kinder gegenüber, die keine solche Behandlung erhalten hatten, aber in Bezug auf Alter, Geschlecht, Behandlungsort und chronische Krankheiten ähnlich waren (JAMA 2018; 319: 906).

Keinen signifikanten Unterschied in beiden Gruppen

Einbezogen wurden 193 Fall- und 751 Kontroll-Kinder im Alter von durchschnittlich 32,5 Monaten. Die Fall-Kinder hatten Infektionen der oberen Atemwege (58 Prozent), der unteren Atemwege (21,8 Prozent), gastrointestinale (9,3 Prozent) sowie andere bakterielle und virale Infektionen (10,9 Prozent) gehabt. 56 Prozent der Fall-Kinder waren in einer Notfallambulanz behandelt worden.

Die Wissenschaftler bestimmten für alle Kinder die kumulative Antigendosis, die sie bis zum Alter von 23 Monaten bei Impfungen bekommen hatten und die das damals gültige Impfschema am besten repräsentieren. Überblickt wurde in der Studie der Zeitraum von bis zu 47 Monate nach der Geburt.

Nach Angaben der Wissenschaftler gab es zwischen den beiden Studiengruppen bezüglich der geschätzten kumulativen Antigenmenge, der die Kinder zwischen Geburt und dem 23. Lebensmonat ausgesetzt waren, keinen signifikanten Unterschied.

Der Wert lag bei 240,6 in der Gruppe der Fall-Kinder und bei 242,9 in der Gruppe der Kontroll-Kinder. Entsprechend gab es keinen Unterschied bei der geschätzten maximalen Antigendosis pro Tag (101,0 versus 100,5).

Das spiegelte sich auch im nicht erhöhten Risiko für Infektionen wider (Odds Ratio: 0,94). Das Risiko für nicht-impfpräventable Infektionen war durch die Impfungen demzufolge weder erhöht noch verringert.

Pädiater betonen in einem Kommentar zur Studie den hohen Aufwand, Impfskeptiker von der Sicherheit der Kinder-Impfungen zu überzeugen.

Als Beispiel nennen sie noch immer bestehende Ängste mancher Eltern vor Autismus im Zusammenhang mit Impfungen, obwohl "überwältigende wissenschaftliche Belege" diese These widerlegt haben (JAMA 2018; 319: 870). (Mitarbeit: eis)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Argument fürs Impfen

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