Ärzte Zeitung, 06.10.2008

Deutscher Nobelpreisträger stellte Dogmen in Frage

An die Hypothese, dass HPV Krebs auslöst, haben anfangs nicht viele geglaubt

STOCKHOLM (ars). Der deutsche Krebsforscher Professor Harald zur Hausen erhält in diesem Jahr den Medizin-Nobelpreis. Er wird für die Entdeckung des Humanen Papillomvirus (HPV) ausgezeichnet, das Gebärmutterhalskrebs verursacht. Außer zur Hausen werden auch die Entdecker des Aidserregers HIV geehrt.

Der deutsche Krebsforscher Professor Harald zur Hausen in seinem Büro im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Foto: dpa

"Der Medizin-Nobelpreis 2008 geht an einen außergewöhnlichen Wissenschaftler und ist gleichzeitig eine großartige Auszeichnung für die deutsche Forschungslandschaft." So gratulierte Bundesforschungsministerin Annette Schavan Professor Harald zur Hausen. Die Ehrung bestätige die Vorreiterrolle, die Deutschland und insbesondere das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg international einnehmen, sagte die Ministerin.

Der 1936 geborene zur Hausen ist ehemaliger Stiftungsvorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg. Gebärmutterhalskrebs ist bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. Zur Hausens Arbeit zum HPV hat außerdem die Grundlage für neue Impfstoffe gelegt. Seine entscheidende Leistung bestand "in unerschütterlichem Glauben und beharrlicher Arbeit, um die eigene Hypothese zu beweisen", wie der Sprecher des Nobel-Komitees die Wahl begründete.

Die französischen Forscher Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier werden für die Entdeckung des Aidserregers HIV geehrt. Die Franzosen hatten das Immunschwächevirus Anfang der 1980er Jahre aus Proben von Patienten isoliert. Die Entdeckung hat die Voraussetzungen für die antiretrovirale Behandlung der Infizierten geschaffen.

Wir berichteten online vorab: Medizin-Nobelpreis für deutschen Krebsforscher Harald zur Hausen

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Der Nobelpreis 2008 setzt ein Zeichen für die Prävention und Therapie von Infektionen

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