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HINTERGRUND

HPV-Impfung: Zwischen der Hoffnung auf Krebsschutz und der Sorge um die Gesundheit

Ruth NeyVon Ruth Ney Veröffentlicht:
Humane Papilloma-Viren im Elektronenmikroskop: Vor allem die HPV-Typen 16 und 18 können Zervixkarzinome verursachen.

Humane Papilloma-Viren im Elektronenmikroskop: Vor allem die HPV-Typen 16 und 18 können Zervixkarzinome verursachen.

© Foto: Iftner

Nach wie vor wird in der Öffentlichkeit diskutiert, ob bei der Impfung gegen HP (humane Papilloma)-Viren der Nutzen das Risiko überwiegt. Zu den kritischsten Stimmen gehören die Eltern der 19-jährigen Jasmin, die drei Wochen nach der Impfung mit Gardasil®ohne erkennbare Krankheitsursache gestorben ist. Sie sind überzeugt: "Die HPV-Impfung muss der Auslöser gewesen sein."

Unterstützung finden sie dabei etwa durch den Bremer Professor für Arzneimittelforschung Gerd Glaeske. Seiner Ansicht nach ist die Zulassung des Impfstoffs möglicherweise zu schnell ohne ausreichende Datenlage erfolgt. Auch Professor HeinzHarald Abholz, Direktor der Abteilung für Allgemeinmedizin an der Uni Düsseldorf, bemängelt, dass der Nutzen der Impfung nicht gut untersucht und die Zulassung vor der Publikation von Phase-III-Studien erfolgt sei. Bis zum Nachweis, dass es keinen Zusammenhang mit den Todesfällen gebe, falle für ihn die Nutzen-Risiko-Bewertung negativ aus.

Zulassung der Vakzine erfolgte nicht schneller als bei anderen

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als oberste Überwachungsbehörde für Impfstoffe hält diesen immer wieder geäußerten Kritiken - etwa in "Frontal" im ZDF - entgegen, dass das Zulassungsverfahren sowohl für Gardasil® als auch für den zweiten Impfstoff Cervarix® genau so lange gedauert habe wie für andere Impfstoffe.

Keiner der Hersteller habe eine beschleunigte Zulassung beantragt. Darüber hinaus seien beide Impfstoffe in Studien mit je 20 000 Mädchen und Frauen auf Wirksamkeit und Verträglichkeit geprüft worden. In der Regel genügten bei Impfstoffen etwa 3000 Probanden, um Nebenwirkungen mit einer Häufigkeit von 0,1 Prozent zu erkennen, so das PEI. Damit gehe die Datenlage zur Verträglichkeit sogar über das geforderte Maß hinaus. Generell gibt es auch keine Verpflichtung, Studiendaten vor der Zulassung zu publizieren.

Kann es dennoch einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Impfung und den beiden Todesfällen geben? Auch wenn sich das nicht hundertprozentig ausschließen lässt: Die Obduktionsergebnisse und Analysen des PEI haben keinerlei Hinweise ergeben - sowohl bei der jungen Frau aus Österreich nicht als auch bei der 18-jährigen Deutschen - sie starb im Sommer 2007 einen Tag nach ihrer zweiten Gardasil®-Impfung. Beide Todesfälle wurden daher als "Plötzlicher ungeklärter Tod" eingestuft.

Auch die Staatsanwaltschaft Wien hat inzwischen das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingestellt. PEI und die Europäischen Zulassungsbehörde EMEA bewerten daher die HPV-Impfung weiterhin als sicher. Es gebe derzeit keinen sachlichen Grund, darauf zu verzichten (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

Schaut man aber ein wenig ins Internet, wird deutlich: Aufgerüttelt durch die Berichte über die Todesfälle diskutieren Mütter und Töchter in verschiedenen Foren weiter über ihre Sorgen und Ängste. Sie sind verunsichert, ob sie sich überhaupt gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen sollen, fragen, ob sie durch eine bereits erfolgte Impfung gesundheitliche Schäden befürchten müssen, und erzählen gar von eingetretenen unerwünschten Effekten nach einer Spritze. Sie fragen auch, ob sie den Empfehlungen ihres Frauenarztes noch trauen können.

Die Frauenärztin Dr. Susanne Hager aus Wiesbaden hatte in ihrer Praxis bislang wenig verängstigte Patientinnen. "Ohne etwas zu verharmlosen, erzähle ich jetzt natürlich beim Informationsgespräch von den beiden Fällen. Aber ich erkläre dann immer, dass es zu unserem Meldesystem einfach gehört, alles zu erfassen, was sich im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung ereignet. Das ist aber noch lange kein Beleg für einen kausalen Zusammenhang."

Sie sehe aufgrund der bisherigen Informationen und ihren eigenen Erfahrungen die Impfung weiter als sicher an. "Mädchen, die bereits eine Impfung bekommen haben, lassen sich daher auch nicht von weiteren Impfungen abschrecken", so die Gynäkologin zur "Ärzte Zeitung". Möglicherweise entscheide sich nun allerdings die ein oder andere Mutter, ihre Tochter gar nicht impfen zu lassen. "Die Mädchen und ihre Mütter erscheinen dann aber erst gar nicht in der Praxis. Denn oft ist es so, dass Chat-Informationen aus dem Internet vor unserer Beratung rangieren."

Krebsinformationsdienst spürt Verunsicherung von Patienten

Der Krebsinformationsdienst, die Beratungsstelle für Patienten vom Deutschen Krebsforschungszentrum, bemerkt indessen eine verstärkte Unsicherheit. Seit Einführung der Impfung habe es zwar generell sehr viele Fragen zu diesem Thema gegeben. Nach den Todesfällen werde nun aber verstärkt nach der Sicherheit der Vakzine gefragt. Dabei verweise man dann auf die bisherigen Erkenntnisse des PEI, hieß es auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Ob sich die Berichte über die Todesfälle auch in der Verordnungshäufigkeit von Gardasil® widerspiegeln, ist nach Auskunft eines Sprechers von Sanofi Pasteur MSD, Jürgen Lösch, derzeit nicht ersichtlich. Zwar seien die jüngsten Zahlen leicht rückgängig. Dies könne aber ebenso gut daran liegen, dass im Dezember und Januar wegen der Ferienzeit weniger geimpft wurde.

Lösch betonte: "Auch wenn es keinen Hinweis auf einen Zusammenhang der Impfung mit den Todesfällen gibt, so wird die Anwendungssicherheit von Gardasil® weiter beobachtet." Das sei Bestandteil des Risikomanagements im Rahmen der Zulassung. Dabei werden 44 000 Anwenderinnen sechs Wochen und nochmals sechs Monate nach Abschluss der Impfung auf unerwünschte gesundheitliche Auswirkungen untersucht.

STICHWORT

Plötzlicher ungeklärter Tod

Bei einem "Plötzlichen ungeklärten Tod" handelt es sich um sehr seltene Ereignisse, die in jedem Lebensalter auftreten. Laut Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes gab es 2006 in Deutschland in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen 58 Todesfälle unklarer Ursache, darunter 22 Frauen. Das entspricht bei einer Gesamtzahl von 2,3 Millionen Frauen in diesem Alter einem Verhältnis von 1 pro 100 000. Das heißt, so das Paul-Ehrlich-Institut, dass bei Impfung eines großen Teils dieser Bevölkerungsgruppe - in Deutschland und Österreich wurden bisher etwa 700 000 Mädchen gegen Zervix-Ca geimpft - auch zufällig mit solchen Todesfällen in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung zu rechnen ist.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht

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