Ärzte Zeitung online, 22.10.2013

Säuglingskoliken

Helfen Probiotika?

Säuglinge, die ohne ersichtlichen Grund ständig schreien, werden möglicherweise von Koliken geplagt. In einer systematischen Übersicht wurde nun untersucht, ob Probiotika die Schmerzen stillen können.

Von Beate Schumacher

Helfen Probiotika?

Wenn schreiende Babys nicht zu beruhigen sind, können Bauchschmerzen die Ursache sein.

© Getty Images/Creatas

PARKVILLE /AUSTRALIEN. Die Ätiologie von Säuglingskoliken ist noch unklar. Jüngere Studien deuten aber darauf hin, dass Babys mit und ohne Koliken Unterschiede in der Darmbesiedelung aufweisen.

Insofern könnte sich eine Veränderung des Darmmikrobioms auch zu Therapiezwecken nutzen lassen. Australische Kinderärzte haben daher eine systematische Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit von Probiotika erstellt.

Zur Auswertung gelangten zwölf randomisierte Studien mit insgesamt 1285 Kindern bis zum Alter von drei Monaten (JAMA Pediatr. 2013; online 7. Oktober 2013).

Vergleich mit Placebo oder Simeticon

Getestet wurde die Gabe von Probiotika im Vergleich zu Placebo (elf Studien) bzw. im Vergleich zu - nachweislich unwirksamem - Simeticon. Als Maß für den Therapieerfolg diente in den meisten Studien die tägliche Schreidauer.

Unerwünschte Effekte, etwa im Hinblick auf Verträglichkeit, Infektionen oder Wachstum, wurden in keiner Studie dokumentiert.

In sieben Studien erfolgte die Behandlung präventiv. Nur zwei davon legen einen Nutzen von Probiotika nahe. In den anderen fünf war kein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe festzustellen.

Probiotika in drei von fünf Studien erfolgreich

Die therapeutische Gabe von Probiotika war in drei von fünf Untersuchungen erfolgreich: Alle drei Studien mit insgesamt 209 Stillkindern waren mit Lactobacillus (L.) reuteri (109 koloniebildende Einheiten pro Tag) durchgeführt worden.

In einer weiteren Therapiestudie wurde auf einen "möglichen Nutzen" von Probiotika auf Koliken bei Säuglingen mit Formula-Diät geschlossen. Der fünften Studie zufolge sind Probiotika bei gestillten Säuglingen wirkungslos.

Nur die drei positiven Therapiestudien konnten aufgrund ähnlicher Voraussetzungen in einer Metaanalyse zusammengefasst werden. Danach wird die tägliche Schreidauer an Tag 21 durch L. reuteri im Median um 65 Minuten verkürzt.

Die Autoren halten sich beim Fazit zurück

Die Aussagekraft dieses Ergebnisses wird allerdings durch die große Heterogenität der drei Studien abgeschwächt, wie die Studienautoren bemängeln.

Auch im Hinblick auf die Verblindung, die Vergleichbarkeit von Behandlungs- und Kontrollgruppe und die Erfassung der Schreidauer lasse die Qualität der meisten Studien zu wünschen übrig.

Dementsprechend zurückhaltend fällt auch das Fazit der australischen Ärzte aus: "Möglicherweise ist L. reuteri in der Behandlung von Koliken bei gestillten Säuglingen wirksam."

Es gebe jedoch keine ausreichende Beweislage, um den Einsatz von Probiotika zur Therapie oder gar zur Prävention von Säuglingskoliken zu empfehlen.

Für mehr Klarheit gilt es daher, die Ergebnisse von größeren und qualitativ besseren Studien abzuwarten. Mindestens fünf sind derzeit auf dem Weg.

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