Ärzte Zeitung online, 31.05.2017
 

Leberkrankheiten

Bei NASH drohen hohe Kosten

Gemischte Nachrichten für die deutsche Leber: Während die Zahl schwerer alkoholischer Fettlebererkrankungen abnimmt, legt die nicht-alkoholische Fettleber weiter leicht zu. Gastroenterologen warnen vor Milliardenkosten, wenn die Prävention nicht greift.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. In Deutschland wird bekanntlich viel Alkohol getrunken, aber mittlerweile doch etwas weniger als noch vor ein oder zwei Jahrzehnten. Das schlägt sich auch in der Zahl der stationär versorgten Patienten mit alkoholischen Fettlebererkrankungen nieder, wie das von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) vorgestellte "Weißbuch Gastroenterologische Erkrankungen 2017" zeigt.

Das Weißbuch ist die erste systematische Zusammenstellung von Versorgungsdaten und Kosten gastroenterologischer Erkrankungen in Deutschland. In den frühen Nullerjahren gab es demnach deutschlandweit jährlich um die 3500 Krankenhausfälle wegen alkoholischer Fettleber. Mittlerweile sind es "nur noch" um die 2500, rund drei Viertel davon Männer. Gleichzeitig ging die (anhand der ICD-Codes für sonstige entzündliche und nicht-entzündliche Lebererkrankungen abgeschätzte) Zahl der Krankenhausfälle wegen nicht-alkoholischer Fettlebererkrankungen (NAFLD) im Trend nach oben. 2015 wurden in Deutschland über 15.000 Patienten deswegen stationär aufgenommen.

DGVS-Sprecher Professor Christian Trautwein von der Klinik für Gastroenterologie der RWTH Aachen betonte, dass es derzeit rund 10 Millionen Menschen mit NAFLD in Deutschland gebe. Davon hätten etwa 2 bis 3 Millionen eine Fettleberhepatitis (NASH). Dies werde in den nächsten Jahren nicht nur die Zahl der Leberzirrhosen und der hepatozellulären Karzinome nach oben treiben, sondern auf dem Weg über die begleitende systemische Entzündungsreaktion auch die Zahl der kardiovaskulären Erkrankungen, der Kolon- und der Pankreaskarzinome.

Da auf Gewichtsreduktion zielende Präventionsbemühungen nicht ausreichend griffen, sei zu erwarten, dass in wenigen Jahren im Bereich der NAFLD Medikationskosten entstünden, gegen die die Kosten der Hepatitis C-Therapie geradezu überschaubar wirkten, so Trautwein. Schon heute werde weltweit eine Milliarde US-Dollar für NAFLD-Therapeutika ausgegeben. Dies dürfte innerhalb der nächsten acht Jahre auf 15 Milliarden US-Dollar in die Höhe schnellen, so der Experte.

Die neuen Therapeutika, von denen sich viele heute in Phase II-Studien, einige auch schon in Phase III-Studien befinden, adressieren zum einen die Fibrosebildung, zum anderen die hepatische Entzündung. Außerdem dürften Medikamente, die Gallensäuren blockieren und Medikamente, die die Insulinresistenz verringern, wichtige Pfeiler des therapeutischen NAFLD-Kanons werden. Sehr wahrscheinlich werde die pharmakologische NAFLD-Therapie aus Medikamentenkombinationen bestehen, um mehrere Pathomechanismen parallel zu hemmen, so der Experte. Das wird es auch nicht kostengünstiger machen.

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