Ärzte Zeitung, 10.12.2008
 

Kritik an ADHS-Bericht in "Frontal 21"

MAINZ (eb). Scharfe Kritik an der gestern ausgestrahlten ZDF-Sendung "Frontal 21": Das Unternehmen Lilly weist Vorwürfe als unbegründet und irreführend zurück, nach denen das ADHS-Medikament Atomoxetin bei "im Prinzip gesunden Kindern" angewandt wird und zu tödlichen Nebenwirkungen geführt haben soll.

Der Patientenbeauftragte des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Krankenkassen, Jörg Schaaber, hat dem ZDF zufolge eine Marktrücknahme des ADHS-Medikaments Atomoxetin (Strattera®) gefordert. Das Mittel werde "im Prinzip bei gesunden Kindern" eingesetzt, weil diese hyperaktiv seien und sich schlecht konzentrieren könnten.

"Das hat aber oft keinen Krankheitswert, ist nur nervig für die Umwelt", sagte Schaaber dem ZDF-Magazin "Frontal 21". Laut "Frontal 21" führt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn eine Liste mit gegenwärtig 234 Verdachtsfällen zum Teil gefährlicher Nebenwirkungen des Mittels, darunter auch vier Todesfälle.

Dem widerspricht das Unternehmen Lilly in einer Mitteilung: "In Deutschland ist kein Todesfall bekannt, der in ursächlichem Zusammenhang mit Strattera® steht." Es sei zudem grob unwissenschaftlich und unverantwortlich, eine Nutzen-Risiko-Bewertung ohne Kenntnis von Einzelfällen lediglich anhand von Falllisten vornehmen zu wollen.

"Falsch ist außerdem, dass Strattera® im Prinzip bei gesunden Kindern eingesetzt wird. Die Diagnose ADHS muss von einem Arzt nach anerkannten Kriterien erfolgen." Ebenso falsch sei die Aussage von Professor Peter Schönhöfer, der Atomoxetin in die Nähe von Amphetaminen und "Speed" rückt. "Strattera® gehört nicht zu den Psychostimulanzien und besitzt kein Abhängigkeitspotenzial", schreibt Lilly weiter.

Lesen Sie dazu auch:
BfArM weist Bericht über ADHS-Präparat zurück

[10.12.2008, 06:43:15]
Dipl.-Med Thomas Greger 
Revolverjournalismus
Neben den schon beschriebenen Dingen ist es ausserdem bemerkenswert, welchen Alters die geschädigten Patienten gewesen sein sollen.
Eine ALtersstufe, in der man eine ADHS kaum diagnostizieren dürfte und sicher könnte.

Hauptsache man produziert eine Schlagzeile, wie ist egal, nur möglichst schlimm muss es klingen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »

Inhalatives Steroid bei Kindern – Keine falsche Zurückhaltung!

Die Angst vor Frakturen sollte bei asthmakranken Kindern kein Grund gegen die Kortisoninhalation sein. Zurückhaltung könnte sogar den gegenteiligen Effekt haben. mehr »

Ibuprofen plus Paracetamol so effektiv wie Opioide

Es müssen keine Opioide sein: OTC-Analgetika wirken bei Schmerzen in den Gliedmaßen ähnlich gut wie Opioide, so eine US-Studie. mehr »