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Anlaufstelle für ausgebrannte Ärzte - die philosophische Praxis

Von Karlheinz Schneider-Janessen Veröffentlicht:

Vom "ausgebrannten Arzt" ist immer häufiger die Rede. Angehörige helfender Berufe sollen vom Burn-out-Syndrom, vom "Infarkt der Seele", besonders oft betroffen sein. Kein Wunder vielleicht angesichts der unerfreulichen ökonomischen Entwicklung vieler Arztpraxen und der zunehmenden Verleumdung des ärztlichen Berufsethos durch manche Medien und Patienten.

Dann fehlt nur noch, daß es in der Familie Probleme gibt, und schon steht mancher Kollege vor der Frage: Was tue ich hier? Wofür strample ich mich den ganzen Tag eigentlich ab?

Was also tun? Mit wem reden, wenn Freunde und Bekannte meinen, man könne doch zufrieden sein? Man habe doch sein Einkommen, sei anerkannt, es fehle doch an nichts. Sollte man einen Psychologen konsultieren, um mit ihm zu sprechen, auch wenn man sich psychisch gar nicht krank fühlt?

Möglicherweise hilft hier - man staune - die Philosophie, genauer: die "philosophische Praxis". Hinter dem Begriff versteckt sich eine Form der Gesprächsführung, die eigentlich Seelsorge ist, aber ohne jeden theologischen Überbau und ohne philosophische Dogmatik auskommt.

Das philosophische Gespräch klärt soweit möglich die eigene Lebenssituation - und mehr nicht. Dabei soll auch kein metaphysischer Lebenssinn gefunden werden. Oft reicht es bereits, eine zwischen verschiedenen Lebensbereichen hin- und hergerissene Existenz in sich wieder zu einen.

Der Gründer der ersten philosophischen Praxis in Deutschland, Gerd B. Achenbach, nannte einmal folgende Gründe, eine philosophische Praxis aufzusuchen: "Gewöhnlich sind es Enttäuschungen, unvorhergesehene oder jedenfalls so nicht erwartete Erfahrungen, Kollisionen mit anderen Menschen, Schicksalsschläge, Erlebnisse des Scheiterns, aufdringlich schlechte oder bloß fade Lebensbilanzen."

Der Philosoph sucht nach rationalen Problemlösungen

Ziel der Gespräche ist natürlich nicht, philosophiegeschichtliches Wissen zu repetieren. Der Patient, der zum Arzt geht, erwartet auch keine medizinische Vorlesung, sondern die Hilfe des Arztes aufgrund seiner Ausbildung. In der philosophischen Praxis ist das ebenso: Aufgrund der Ausbildung und der spezifischen Denkschulung des Philosophen wird im Gespräch nach rationalen Problemlösungen gesucht. Es geht darum, wie Thomas Gutknecht, der Präsident der Internationalen Gesellschaft für philosophische Praxis, einmal erklärte, einen Menschen "wieder in Freundschaft mit sich selber zu bringen und ihm zu helfen, sich darüber zu freuen, daß er da ist.".

Zu diesem Zweck betrachtet der Philosoph nicht die "Seele" des Menschen, wie es die Psychotherapeuten per definitionem tun, sondern seinen Geist, das heißt in diesem Zusammenhang unter anderem: sein Lebenskonzept, seine Denkführung, die Prämissen seiner Überlegungen und seine Schlußfolgerungen.

Die Ratsuchenden sind nicht "Patienten", sondern "Gäste"

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium der philosophischen Praxis zur Therapiesituation ist die Vermeidung jeder Beziehungs-Asymmetrie. Der Philosoph behandelt sein Gegenüber nicht wie ein Experte in Lebensfragen, sondern hilft einem Ratsuchenden nur, über sich und seine Situation vernünftig nachzudenken.

Deshalb sind die Menschen, die seine Hilfe in Anspruch nehmen, nicht "Patienten" oder "Klienten", sondern der praktizierende Philosoph bezeichnet sie als "Gast" oder "Besucher". Manche Philosophen sprechen von "Kunden", womit sie auch zum Ausdruck bringen wollen, daß sie ihren Gegenüber als "Kundigen" achten.

Billig sind die Konsultationen nicht. Zwischen 40 bis 80 Euro pro Gespräch muß ein Ratsuchender beim Philosophen berappen. Doch Vorsicht! Für philosophische Praxen gibt es noch keinen Berufsverband und keine Ausbildungsordnung. Man weiß also nicht, an wen man gerät. Der Kontakt zu einem der 40 bis 50 praktizierenden Philosophen sollte deshalb am besten über die IGPP erfolgen, über die Internationale Gesellschaft für Philosophische Praxis.

Die Internationale Gesellschaft für Philosophische Praxis ist erreichbar unter der Telefonnummer 07122-82 05 28.

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