Ärzte Zeitung, 20.04.2007
 

Vareniclin erleichtert bei Nikotinsucht den Entzug

Jeder zweite Raucher ist nach einem Jahr noch abstinent

WIESBADEN (grue). Statt vor Restauranttüren zu frieren, wollen viele Raucher lieber ganz auf Zigaretten verzichten. Dabei hilft ein neues Medikament, das seit März an Selbstzahler verordnet werden kann.

Das neue Produkt zur Nikotinentwöhnung enthält den Wirkstoff Vareniclin, der anstelle von Nikotin an dopaminerge Rezeptoren bindet. Als partieller Agonist erlaubt Vareniclin immerhin noch die Freisetzung von geringen Dopaminmengen, was den Entzug erleichtert.

Eine antagonistische Komponente verhindert bei einem Rückfall außerdem, dass Nikotin am Rezeptor ankommt. "Der Raucher spürt dann keinen Genuss und wird den Entzug fortsetzen, sofern er motiviert ist", sagte Professor Martin Wehling auf einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer in Wiesbaden.

"Eine starke Motivation ist ohnehin die Voraussetzung für den Ausstieg", so der Kollege von der Universität Heidelberg. Das Präparat Vareniclin (Champix) wird anfangs einmal, dann zweimal täglich für drei Monate eingenommen. Anschließend sind Studien zufolge 44 Prozent der Raucher abstinent, und jeder zweite bleibt es auch für mindestens ein Jahr. Bei doppelt so langer Vareniclin-Einnahme sei der Erfolg noch besser, sagte der Pharmakologe.

Ärzte können eine verlängerte Therapie empfehlen, wenn Raucher nach drei Monaten abstinent sind. "Die Chance, mit dem Rauchen aufzuhören, ist mit Vareniclin etwa dreimal höher als mit Placebo", sagte Wehling mit Hinweis auf eine Cochrane-Analyse mehrerer Studien. Auch einer Entwöhnung mit Bupropion sei das neue Medikament überlegen.

Unverträglichkeit sei selten ein Grund, warum eine Vareniclin-Therapie abgebrochen werde, sagte Wehling. In den zwei Zulassungsstudien beendeten neun und elf Prozent der Patienten die Behandlung vorzeitig, mit Placebo waren es neun und sieben Prozent. Die am häufigsten genannten unerwünschten Wirkungen mit Vareniclin waren Übelkeit (34 Prozent), Müdigkeit (20 Prozent) und Kopfschmerzen (16 Prozent). Allerdings waren die Beschwerden meist leicht und vorübergehend.

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