Osteoporose-Therapie bald mit Antikörpern?

Veröffentlicht:
Typisch für eine Osteoporose: Die Hyperkyphosierung der Brustwirbelsäule.

Typisch für eine Osteoporose: Die Hyperkyphosierung der Brustwirbelsäule.

© Foto: Klaus Peters

Von Reimund Freye

Mit Denosumab steht voraussichtlich bald eine Substanz gegen Osteoporose zur Verfügung, die über einen ganz neuen Wirkansatz verfügt.

BERLIN. Die halbjährlich subkutan zu injizierende Substanz Denosumab reduzierte in einer Phase-III-Studie bei Frauen in der Postmenopause mit Osteoporose die Rate der Wirbelkörper- und Hüftfrakturen deutlich im Vergleich zu Placebo.

Das berichtete Professor Andreas Kurth aus Mainz auf dem Orthopäden-Kongress in Berlin. Der humane monoklonale Antikörper Denosumab setzt am RANK (Receptor Activator of Nuclear factor-Kappa)-/RANK-Ligand-Signalweg an, erklärte Professor Franz Jacob, Leiter des Orthopädischen Zentrums für Muskuloskelettale Forschung in Würzburg. Bereits die knochenaufbauenden Osteoblasten setzen RANK-Liganden frei, die an RANK-Rezeptoren von Osteoklasten-Vorläuferzellen andocken, und so deren Ausreifung stimulieren. Osteoprotegerin (OPG) ist ein natürlicher RANK-Ligand-Hemmer, der ein Gleichgewicht zwischen Knochenab- und -aufbau aufrechterhält.

"Ist OPG nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden, etwa durch die Hormonumstellung bei postmenopausalen Frauen, ist dieses Gleichgewicht gestört", sagte Jacob bei einer Veranstaltung von Amgen. Denosumab imitiert die Funktion von OPG, bindet an den RANK-Liganden und verhindert so dessen Andocken an den RANK-Rezeptor. Dies wirkt einer übermäßigen Knochenresorption entgegen.

Dass dieses Therapieprinzip in der Praxis wirkt, wurde inzwischen in einem Studienprogramm bei über 20 000 Osteoporose-Patienten nachgewiesen. In der FREEDOM*-Studie zum Beispiel war bei insgesamt 7868 Frauen in der Postmenopause mit Osteoporose nach drei Jahren Behandlung mit Denosumab das Risiko für Wirbelkörperbrüche um 68 und das für Hüftfrakturen um 40 Prozent im Vergleich zu Placebo reduziert. Dieser Schutzeffekt sei über die gesamte Zeit konstant geblieben, betonte der Mainzer Osteoporose-Experte. Es habe keine Toleranzentwicklung gegeben.

In einer anderen Studie wurde der Antikörper bei 1189 Frauen in der Postmenopause direkt gegen das Bisphosphonat Alendronat getestet. Nach zwölf Monaten Behandlung wurde für Denosumab ein signifikant höherer Knochendichtezuwachs an Hüfte, LWS, Trochanter, Schenkelhals und distalem Radius festgestellt. Die unerwünschten Wirkungen der neuen Substanz seien denen des Bisphosphonates sehr ähnlich gewesen, sagte Kurth. Mit einer Zulassung wird in der ersten Hälfte des Jahres 2010 gerechnet.

*FREEDOM: Fracture REduction Evaluation of Denosumab in Osteoporosis every six Month

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Im alten Praxisverwaltungssystem kennen Arzt, Ärztin und Team jeden Kniff. Nach dem Wechsel will vieles neu gelernt sein. Auf die Dauer kann es sich dennoch lohnen, sich für ein neues, modernes System zu entscheiden, wenn der Wechsel gut vorbereitet ist.

© kozirsky / stock.adobe.com

Kollegen-Tipps zum PVS-Umstieg

Praxisverwaltungssystem erfolgreich wechseln: Auf diese Punkte kommt es an