Berliner Urologen schnitten beim PSA-Praxistest schlecht ab

KÖLN (akr). Für einen älteren Mann ist die Entscheidung zu einem Test auf das Prostataspezifische Antigen (PSA) keine Kleinigkeit. Das Ergebnis kann sein Leben verändern.

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"Wir müssen den Patienten vor dem PSA-Test darauf hinweisen, in welchen Zug er sich setzt, wenn er den Test machen läßt", sagt Dr. Klaus Schalkhäuser, Präsident des Berufsverbands der Urologen. Deshalb müsse ein Arzt sich genügend Zeit für eine ausführliche Beratung des Patienten vor dem Test nehmen. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Doch ein Artikel in der aktuellen Ausgabe des Magazins "test" läßt etwas anderes vermuten.

Ein Testpatient hatte sich für die Zeitschrift bei 20 Berliner Urologen über den PSA-Test informiert. Nur zwei Ärzte berieten den 60jährigen sehr gut, vier befriedigend und jeweils sieben ausreichend oder mangelhaft, heißt es. Das Magazin äußert den Verdacht, daß viele Mediziner kein gesichertes Wissen über den Nutzen der Früherkennungsuntersuchung hätten.

Die Fachverbände weisen das entschieden zurück. "Das Abschneiden der Urologen im Test ist allenfalls durch die starke zeitliche Reglementierung im niedergelassenen Bereich zu erklären", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme des Beurfsverbands der Urologen und der deutschen Gesellschaft für Urologie.

Urologen stehen vor einem Dilemma

"Das Ergebnis des Tests ist nicht repräsentativ", betont Schalkhäuser. Die Ärzte wüßten, welche Bedeutung ein PSA-Test für Patienten habe. "Wir stehen beim PSA-Test vor einem Dilemma", sagt er. Denn Prostatakrebs entwickelt sich bei manchen Patienten sehr langsam und würde sie unentdeckt nicht belasten. Kritiker des PSA-Tests fürchten deshalb, daß viele Männer mit Prostatakrebs übertherapiert werden. Gleichzeitig sterben in Deutschland jährlich 12000 Männer an diesem Karzinom. Pro Jahr diagnostizieren Ärzte 18 000 Neuerkrankungen, das sind mehr als bei jedem anderen Krebs bei Männern.

Noch ist wissenschaftlich nicht bewiesen, ob der PSA-Test im Screeningverfahren zu einer Senkung der Mortalität führt. Eine große europäische Studie zu diesem Thema wird erst im Jahr 2006 abgeschlossen sein. Erst nach Abschluß der Studie wird der Gemeinsame Bundesausschuß entscheiden, ob der PSA-Test als Früherkennungsuntersuchung bei Männern ohne Symptomen von den Kassen finanziert wird. Diese Gruppe kann den Test heute als Individuelle Gesundheitsleistung bei Urologen und Hausärzten in Anspruch nehmen.

Überbehandlung ist nicht auszuschließen

"Wir können ein Overtreatment beim Prostatakrebs nicht ausschließen. Aber was ist der Umkehrschluß?", fragt Schalkhäuser. Für ihn steht fest, daß für Männer mit erblicher Vorbelastung ab 45 Jahren, ansonsten ab 50 Jahren ein regelmäßiger PSA-Test sinnvoll ist. "Bei zehn bis 15 Prozent der Männer ergibt die reguläre Krebsfrüherkennung klinisch keinen Verdacht, obwohl sie ein Karzinom haben könnten", sagt er. Die Entscheidung für oder gegen einen PSA-Test kann ein Mediziner dem Patienten nicht abnehmen.

"Der Arzt muß ihn im Vorfeld ausführlich über die Bedeutung und Konsequenzen des Tests beraten", meint Schalkhäuser. Dazu gehört die Information, daß ein erhöhter PSA-Wert nicht zwangsläufig auf ein Karzinom hinweisen muß. "Der Arzt muß den Patienten darüber aufklären, daß mit dem PSA-Test möglicherweise weiterführende Interventionen verbunden sind, etwa die Biopsie", erklärt Schalkhäuser.

Der Arzt solle den Patienten außerdem darüber informieren, was bei der Bestätigung eines Verdachts auf Prostatakrebs passiert. "Er sollte dem Patienten die Angst nehmen", sagt so der Verbandschef. Zwar sei bislang die radikale Entfernung der Prostata der Standard. "Aber es gibt auch Hinweise darauf, daß eine Strahlentherapie ähnlich gute Ergebnisse bringt", erklärt er. In bestimmten Fällen, etwa wenn der Patient sehr alt ist, sei auch die regelmäßige Beobachtung des Karzinoms eine Alternative.

Der Berufverband der Urologen und die Deutsche Gesellschaft für Urologie geben die Leitlinie "PSA- Bestimmung in der Prostatakarzinomdiagnositik" heraus, die eine Beratungsanleitung für Ärzte in Praxis und Klinik enthält.

Die Leitlinie kann im Internet abgerufen werden unter www.dgu.de

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