Ärzte Zeitung online, 29.01.2018

Kein Sex ohne "Kiss"

Der Lockruf des Duftes

Männer ziehen Frauen sexuell bekanntlich stark über deren Nase an – wie das weibliche Gehirn darauf genau reagiert, war bisher aber unbekannt. Forscher haben jetzt wohl das passende Molekül entdeckt, das Anziehung auslöst.

Der Lockruf des Duftes

Anziehender Geruch: In Experimenten wiesen Forscher bei Tieren nach, dass der Duft Interesse und sexuelle Erregung der Weibchen gegenüber den Männchen mit sich bringt.

© puhhha / stock.adobe.com

SAARBRÜCKEN. Wissenschaftler der Universität des Saarlandes und der Uni Lüttich haben ein Signalmolekül identifiziert, dass die Anziehung zum anderen Geschlecht und das sexuelle Verlangen steuert. In Experimenten mit Mäusen entdeckten die Forscher, dass das bereits bekannte Molekül Kisspeptin dabei eine Schlüsselrolle spielt, schreiben die Forscher in einer Mitteilung. Die Studie wurde im Magazin "Nature Communications" publiziert (doi: 10.1038/s41467-017-02797-2).

Die männlichen Mäuse sondern den Liganden Kisspeptin aus, der im Hirn der weiblichen Tiere an den Rezeptor Kiss1R (auch als GPR54 bekannt) anknüpft. Dadurch wird bei den weiblichen Mäusen ein Neurohormon freigesetzt, welches die Aufmerksamkeit für die Männchen erhöht, so die Forscher. Gleichzeitig wird demnach der Signalweg auch an Zellen übertragen, die den Neurotransmitter Stickstoffmonoxid herstellen; dieser stimuliert das sexuelle Verlangen.

Name hat nichts mit "Küssen" zu tun

"Bis jetzt war wenig darüber bekannt, wie das Gehirn Eisprung, Anziehung und Sex miteinander verbindet. Jetzt wissen wir, dass ein einzelnes Molekül – Kisspeptin – all diese Aspekte durch verschiedene, parallel zueinander laufende Gehirn-Schaltkreise steuert", sagt der Toxikologe Ulrich Boehm von der Universität des Saarlandes in der Meldung. Der scheinbar sprechende Name stammt der Meldung zufolge von einer amerikanischen Süßigkeit ab.

Allerdings führten die Forscher den Zusammenhang bisher nicht beim Menschen nach. Sie erhoffen sich aber, die Erkenntnis für neue Therapien gegen Störungen des sexuellen Verlangens beim Menschen einsetzen zu können. (ajo)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wann Bergsteigen fürs Herz schädlich ist – und wann nicht

Forscher haben Studien zu herzkranken Bergsteigern ausgewertet und geben Tipps, was Ärzte bei welcher Krankheit beachten müssen. mehr »

Deutlich mehr Masernfälle in der Europäischen Region

In der Europäischen Region der WHO gab es 2017 eine Zunahme der Masernfälle um 400 Prozent gegenüber dem Vorjahr. mehr »

Aktionsplan soll Gesundheitskompetenz stärken

Gesundheitsinformationen sind in vielfältiger Form der Bevölkerung heute zugänglich. Doch mit der richtigen Einordnung und Umsetzung hapert es oft. Das soll sich künftig ändern. mehr »