Ärzte Zeitung, 12.06.2012

Fundsache

Auch grobe Typen haben Helfergene

Männer mit breiten Gesichtern gelten oft als grob oder brutal, dabei ist das Gegenteil der Fall: Wie eine schottische Studie ergab, sind sie überdurchschnittlich hilfsbereit und stellen die eigenen Bedürfnisse hintan.

Der Glaube, bestimmte Charaktereigenschaften von physiognomischen Merkmalen abzuleiten, ist so alt wie die Menschheit. Verbreitet ist auch das Vorurteil, grobe Gesichter gingen mit einem grobschlächtigen Wesen einher.

Dr. Michael Stirrat und Professor David Ian Perrett von der University of St. Andrews haben das nun widerlegt. Sie gaben ihren Probanden Spielgeld, das diese entweder für sich behalten oder zur Unterstützung der Gruppe einsetzen konnten.

Männer mit breiten Gesichtern erwiesen sich als signifikant kooperativer als solche mit schmalem Antlitz (Psychological Science 2012; 23. Mai). (Smi)

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[13.06.2012, 02:51:24]
Dr. Margit Ritzka 
... so nicht ganz korrekt
Sie schreiben:

"Männer mit breiten Gesichtern erwiesen sich als signifikant kooperativer als solche mit schmalem Antlitz".

Laut dem verlinkten Abstract gilt das nicht allgemein, sondern speziell dann, wenn die eigene Gruppe der besagten "Männer mit breiten Gesichtern" in Wettbewerb mit einer anderen Gruppe tritt.

Insofern scheinen zumindest die Autoren keinerlei Widerspruch zwischen der einerseits beobachteten Tendenz zu Aggressionen

(vergleiche zB die folgende Studie: http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/279/1728/571.abstract)

und der andererseits beobachteten Hilfsbereitschaft der Beteiligten zu sehen: Gerät die eigene Gruppe in Konflikt mit Gegnern "von außen", ist sowohl die eine (Aggression - in diesem Fall gegen Außenstehende) wie die andere (selbstlose Hilfsbereitschaft den "eigenen Leuten" gegenüber) Verhaltensweise sinnvoll und langfristig evolutionär von Vorteil.

Das Fazit des Artikels könnte also lauten: Männer mit breiten Gesichtern geben besonders gute Mafiosi ab - oder Polizisten. Oder auch besonders engagierte Fußballfans.

(Zumindest die letzte These müsste sich aktuell aufgrund der umfassenden Bildberichterstattung zur Fußball-EM in allen möglichen Medien ja im Grunde leicht überprüfen lassen... ;) )
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