Ärzte Zeitung online, 06.08.2019

Augenärzte fordern

Die AMD im Auge haben

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) sagt vielen kaum etwas. Augenärzte fordern nun, die Augenerkrankung im Blick zu haben und ins Bewusstsein zu rücken.

Von Thomas Hommel

149a0401_8467433-A.jpg

Gezielte Früherkennung ist bei AMD wichtig.

© luckybusiness / stock.adobe.com

BERLIN. Ein gesunder Lebensstil kann den Verlauf der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) positiv beeinflussen.

„Wer auf das Rauchen verzichtet, sich mediterran ernährt und täglich bewegt, kann die Chance wesentlich verbessern, sein Sehvermögen trotz eines hohen genetischen Risikoprofils bis ins hohe Alter zu erhalten“, sagte Professor Marius Ueffing, Direktor des Forschungsinstitutes für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen, am Dienstag.

Belege dafür liefere das europäische Forschungsprojekt „EYE-RISK“. Im Rahmen des Projekts wurden Daten von 60.000 Patienten ausgewertet. Ueffing sprach von der Datenbank als „weltweit größte Wissensressource für AMD“. Die EU hatte das Projekt über eine Dauer von vier Jahren mit sechs Millionen Euro gefördert.

Mehr Bewusstsein schaffen

Ueffing betonte zugleich, notwendig sei ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein für die Erkrankung AMD und den Umgang damit. In Deutschland seien schätzungsweise fünf bis sechs Millionen Menschen daran erkrankt.

Neben dem Alter spiele eine genetische Disposition eine Rolle für die Entstehung der Krankheit, so Ueffing. Wer im Umfeld Angehörige habe, die bereits an AMD erkrankt sind, trage ein erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken.

„In diesem Fall sollte man ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich zum Augenarzt gehen und sich auf Ablagerungen im Augenhintergrund untersuchen lassen“, sagte Ueffing. Zumeist trete AMD bei Menschen auf, die älter als 60 Jahre seien.

Früherkennung wichtig

Für Umgang wie Therapie der AMD sei eine frühe Diagnosestellung entscheidend, sagte Professor Sabine Aisenbrey, Chefärztin der Klinik für Augenheilkunde am Vivantes-Klinikum Berlin-Neukölln.

„Es ist für die Früherkennung ganz wichtig, die ersten Symptome wahrzunehmen, um zu wissen, dass man den Augenarzt aufsuchen muss“, so die Ophthalmologin.

Typische Anzeichen für AMD sind bekanntlich verzerrt erscheinende Linien an Kacheln, Gittern, kariertem Papier oder Kreuzworträtseln. „Oft nehmen Betroffene auch als erstes einen grauen Fleck unterschiedlicher Ausprägung wahr, der immer dort erscheint, wohin sie blicken“, so Aisenbrey.

Während die feuchte AMD „in Grenzen“ zu behandeln sei, gebe es für die trockene Form bislang keine zugelassene wirksame Therapie. „Aber wir können über eine mehrstufige Diagnostik die Risiken und den Krankheitsverlauf recht gut einschätzen.“

Hilfsmittel erleichtern den Alltag

Franz Badura, Vorsitzender der Selbsthilfevereinigung PRO RETINA, sagte, Betroffene könnten inzwischen auf eine Vielzahl von Hilfsmitteln zurückgreifen, um den Alltag weiter zu bewältigen.

Die Spanne reiche hier von Silikon-Klebepunkten an Herd oder Waschmaschine bis hin zu neuen Vorlese-Apps, sprechenden Stiften sowie Navigations-Apps für blinde Menschen. Die Digitalisierung habe auch hier einen „Quantensprung“ ausgelöst, so Badura.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[07.08.2019, 07:40:52]
Dr. Peter Christoph Zindel 
Termin beim Augenarzt
Sicher alles richtig, aber leider ist es selbst für Kollegen u. Privatpatienten sehr schwer, Termine bei einem Augenarzt zu bekommen. Viele Praxen geheim n erst gar nicht ans Telefon, wenn man nicht eine geheime Durchwahl kennt.
Die Wartezeiten in den Ambulanzen der Augenkliniken sind erheblich. Ich muss mehr als 6 Wochen auf einen Op- Termin warten, nachdem sich meine Kunstlinse verschoben hat, bei Z.n. Vitrektomie n. Netzhautablösung.
Auch mit Termin sitzt man in den Ambulanzen 3-4 Stunden.
Das verbessert nicht gerade die Compliance . zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Laienreanimation wird wiederbelebt

„Prüfen, Rufen, Drücken“: Der Deutsche Rat für Wiederbelebung hat eine bundesweite Kampagne gestartet, um mehr Laienhelfer zu gewinnen. mehr »

Kabinett beschließt eAU

Die Bundesregierung hat jetzt einstimmig das Bürokratieentlastungsgesetz auf den parlamentarischen Weg gebracht. Darin enthalten: die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. mehr »

Ärztliche Widersprüchlichkeit beim Thema Datensicherheit

Ob die Digitalisierung des Gesundheitswesens gelingt, hängt maßgeblich von den Fähigkeiten aller Akteure ab, die Datensicherheit zu gewährleisten. Doch daran hakt es, wie der Skandal um ungeschützte Radiologie-Daten beweist. mehr »