Ärzte Zeitung, 24.02.2011

Zukunftsbranche Gesundheit

Eine Branche sucht verzweifelt Nachwuchskräfte

Die Statistik zeigt es: Das Gesundheitswesen ist ein echter Jobmotor. Doch wer soll die vielen Stellen in Zukunft besetzen? Das ist nicht nur ein Kostenproblem.

Von Uwe K. Preusker

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Insgesamt 4,7 Millionen Menschen waren Ende 2009 im Gesundheitswesen beschäftigt - rund 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, sagt das Statistische Bundesamt.

Immer mehr Menschen werden gebraucht, doch junge Menschen haben heute die große Auswahl - und Berufe des Gesundheitswesens gehören zweifellos nicht durchweg zu denjenigen, die in die erste Wahl kommen.

Die Folgen sind schon zu spüren: Der Marburger Bund wartete nach seiner Mitgliederbefragung mit einer Horrormeldung auf: Nicht 6000, sondern 12.000 unbesetzte Stellen gibt es danach an deutschen Kliniken!

Die Differenz zu den Zahlen der Deutschen Krankenhausgesellschaft führt er vor allem darauf zurück, dass diese Gastärzte als fest eingestelltes Personal zählt, während die MB-Mitglieder hier keine dauerhafte Stellenbesetzung erkennen können.

Doch egal, wo am Ende die Wahrheit liegt: Mehrere Tausend unbesetzte Arztstellen in Kliniken sind ein deutliches Warnzeichen - und die Situation wird derzeit immer schwieriger.

Eine weitere Horrormeldung für die flächendeckende und wohnortnahe ärztliche Versorgung der Bevölkerung ist ein paar Tage älter: Da hatte das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag der Commerzbank unter anderem herausgefunden, dass nur fünf Prozent der für die Studie befragten Ärzte sich eine Tätigkeit als Landarzt vorstellen können.

Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen - und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die versuchen, für ihre Landarztpraxis die Praxisnachfolge zu regeln, können leidvoll von den Folgen berichten.

Doch damit nicht genug: Es mangelt nicht nur an Ärzten, sondern auch an Pflegepersonal! Eine PWC-Studie aus dem Winter zeigt auf, dass bereits 2020 rund 140.000 nicht-ärztliche Fachkräfte in Deutschland fehlen werden, und zehn Jahre später beträgt diese Lücke bereits 800.000!

Bei allen Zweifeln an solchen Extrapolationen in die Zukunft: Medizinische Versorgung könnte damit in der Zukunft ein nahezu unbezahlbares Luxusgut werden - weil die Menschen, die für die medizinische Versorgung nötig sind, einfach nicht mehr vorhanden sind! Welche Lehren ergeben sich aus dieser Entwicklung?

Es muss wieder "in" sein und Spaß machen, in einem Gesundheitsberuf zu arbeiten! Um das zur erreichen, brauchen wir ein grundsätzliches Umdenken in der Richtung der Gesundheitspolitik - weg von Kostendämpfung und Reglementierung hin zu Nachwuchsförderung und Imagepflege.

Gegenmaßnahmen gegen den zunehmenden Ärzte- und Fachkräftemangel sind jetzt notwendig! Denn bevor ein Abiturient, der 2011 beginnt, Medizin zu studieren, fertiger Facharzt ist und zum Beispiel als Hausarzt auf dem Land Menschen versorgen kann, vergehen mindestens elf bis zwölf Jahre - und dann hat er gerade seine Spezialisierung zum Allgemeinarzt absolviert, aber kaum Berufserfahrung zusammen mit anderen Hausärzten sammeln können.

Die Gesundheitsbranche befindet sich in einem direkten Wettbewerb mit vielen anderen Wirtschaftsbranchen um die Fachkräfte der Zukunft! Doch bisher spürt man eher einen zunehmenden Wettbewerb innerhalb der Gesundheitsbranche.

Nicht zuletzt muss Deutschland beginnen, gezielt Menschen aus dem Ausland anzuwerben, die hier im Gesundheitswesen für die Zukunftssicherung gebraucht werden! Ohne eine erhebliche und systematisch gesteuerte Zuwanderung wird die ständig größer werdende Fachkräfte-Lücke in der Branche nicht zu schließen sein!

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