Gesundheit hat Erotik im Internet eindeutig überholt

Fachleute sind sich einig: Das Web 2.0 verändert das Verhältnis Arzt-Patient. Die Anbieter müssen umdenken.

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Angeklickt: Immer mehr Patienten informieren sich im Internet über Krankheitsbilder und mögliche Therapien.

Angeklickt: Immer mehr Patienten informieren sich im Internet über Krankheitsbilder und mögliche Therapien.

© Falko Matte / fotolia.com

BERLIN (hom). Die Zeiten, in denen sich Internetnutzer wie Tennis-Idol und AOL-Werbebotschafter Boris Becker darüber freuten, "drin" zu sein, sind vorbei. Heute geht es nicht mehr nur darum, dabei zu sein. Heute wird das Internet genutzt, um Meinungen auszutauschen und sich mit anderen Nutzern zu vernetzen.

Gut 60 Prozent der bundesweit 49 Millionen Internetnutzer, sagt Web-Experte Dr. Oliver Hermes von der in München ansässigen Agentur Berger Baader Hermes, würden inzwischen an "Social Media" teilnehmen - sozialen Netzwerken also, die ihren Mitgliedern als Plattformen zum digitalen Austausch von Ansichten, Erlebnissen und Erfahrungen dienen. Besonders beliebt im "Social Media" ist das Thema Gesundheit. "Gesundheit hat Erotik als Nummer-eins-Aktivität im Internet überholt", weiß Hermes.

Online-Portale, auf denen sich Patienten und Angehörige über diverse Krankheiten und Krankheitsverläufe, aber auch über Angebot, Service und Qualität von Ärzten, Kliniken, Apotheken und Pflegeeinrichtungen informieren und austauschen, würden wie Pilze aus dem Boden schießen.

In den USA würden inzwischen sogar Websites freigeschaltet, auf denen Patienten ihre eigenen persönlichen Krankheitsgeschichten dokumentierten und mit anderen Nutzern darüber diskutierten - so auf der US-Seite www.patientslikeme.com.

Solcher Austausch bleibt natürlich nicht ohne Wirkung. Aus dem passiven Patienten werde ein aktiver Konsument, der über Krankheit und Therapie "bestens informiert" sei, sich mit anderen "Leidensgenossen" austausche, Gesundheitsanbieter bewerte, benote und an andere Patienten weiterempfehle - oder nicht.

"Der Gesundheitsmarkt verlagert sich immer mehr von den Anbietern auf die Nachfrager", beschreibt Hermes den Trend. Schon heute holten sich rund 30 Prozent aller Patienten vor einem Arztbesuch Informationen ein.

Mehr als 40 Prozent gingen nach einem Arztbesuch ins Web. "Offensichtlich hinterfragen immer mehr Patienten, was der Arzt gesagt oder verordnet hat", interpretiert Hermes die Zahl.

Im Umkehrschluss bedeute dies: "Der Stern des Experten verliert an Glanz." Auch die viel zitierte "Gate-Keeper-Funktion" des Arztes verwässere sich ein Stück weit dadurch, dass Patienten selber entscheiden wollten, wo sie sich weiter behandeln lassen - und wo nicht.

Für den Arzt bedeute dies den Verlust an "Beratungshoheit, Anordnung und Kontrolle" dem Patienten gegenüber. Was zunächst einmal bedrohlich klinge, solle vom Arzt aber nicht als Bedrohung erlebt und bekämpft werden, sagt Hermes.

Besser sei es, den gut informierten, kritisch hinterfragenden Patienten als Realität zu akzeptieren und darin eine Chance zu sehen. Denn letztlich zeige ein gut informierter Patient mehr Compliance als jener, der Krankheit passiv erdulde und tue, was andere ihm sagen.

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