Ärzte Zeitung, 27.03.2012

Mammutaufgabe für Helios

Die Integration übernommener Kliniken erfolgt bei Helios nach einem festen Sanierungsplan. Nach der Übernahme der Damp-Gruppe und des Katholischen Klinikums Duisburg muss der Klinikkonzern jetzt eine gewaltige Leistung schultern.

Von Hauke Gerlof

Großeinkäufe bei Helios: Integration nach Plan

Op-Szene: Entscheidend ist die Qualität.

© Helios Kliniken GmbH

BAD HOMBURG. Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2011 sieht die Helios Kliniken Gruppe das Jahr 2012 zunächst ganz im Zeichen der Integration der beiden jüngsten großen Zukäufe, der Damp-Gruppe und des Katholischen Klinikums in Duisburg.

Gleichzeitig beobachte Helios aber auch das Akquisitionsumfeld, sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Dr. Francesco de Meo, bei einem Presseworkshop des Unternehmens in Bad Homburg vor der Höhe.

Helios ist eines der Unternehmen des Fresenius-Konzerns.

Großeinkäufe bei Helios: Integration nach Plan

Dr. Francesco de Meo, CEO Helios Kliniken

© Helios Kliniken GmbH

De Meo erwartet eine Belebung bei Klinikprivatisierungen, die aber derzeit von einer sehr emotional aufgeladenen Gegenbewegung gebremst werde.

"Da muss man erst einmal abwarten, was dabei herauskommt", so de Meo in Anspielung auf das zu erwartende Bürgerbegehren zur Teilprivatisierung der Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden.

Helios werde sich auf jeden Fall interessante Projekte genau ansehen, sagte de Meo, so auch das Klinikum Offenbach, für das es jetzt zunächst einen ergebnisoffenen Konzeptwettbewerb gibt.

Sanierungsplan auch für Damp-Kliniken

Die Integration übernommener Kliniken läuft bei Helios nach einem fest strukturierten Sanierungsplan ab. Im ersten Jahr nach der Integration wird ein operatives Ergebnis (EBITDA) von drei Prozent angestrebt, dann in jedem Jahr drei Prozentpunkte mehr, bis nach fünf Jahren die Zielmarke von 15 Prozent Rendite erreicht ist - eine operative Marge, die letztlich jedes Haus der Klinikkette erreichen soll.

Dieser Sanierungsplan soll nun auch für Duisburg und für die Damp-Kliniken gelten. Damp war bisher auch schon einer der zehn größten privaten Klinikbetreiber Deutschlands mit fast 490 Millionen Euro Umsatz (2010).

Das Unternehmen war allerdings bei der Rendite nicht so erfolgreich wie Helios, was letztlich zu dem Verkauf geführt habe: Zurzeit erfülle keine der Akutkliniken von Damp die Ziele des Sanierungsplans, erläuterte Jörg Reschke, in der Geschäftsführung von Helios für die Finanzen zuständig.

Zentraler Punkt bei der Umsetzung des Sanierungsplans ist für Helios die Angleichung der medizinischen Qualität an die Standards des Klinikkonzerns. "Es ist richtig: Wer nur auf die Kosten schaut, verliert Qualität, aber wer auf Qualität achtet, wird am Ende auch bei den Kosten belohnt", sagte de Meo. Diesen Nachweis hätten in den vergangenen Jahren gut aufgestellte Klinikträger erbracht.

Dabei sei es wichtig, dass man sich auf die Medizin konzentriert, der Transfer von Erfahrung sei letztlich entscheidend.

"Wenn einer schwächelt, dann braucht er Hilfe"

"Wenn einer schwächelt, dann braucht er Hilfe. Wir gehen tatsächlich mit Management-Teams, auch mit erfolgreichen Geschäftsführern, in die Kliniken rein und sehen nach: Was läuft hier anders?"

Helios-Kliniken

Branche: stationäre medizinische Versorgung

Konzern: Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius

Sitz: Berlin

Aktuelle Geschäftszahlen: 2011 Umsatz: 2,7 Mrd. Euro (2010: 2,5 Mrd. Euro), EBIT: 270 Mio. Euro (plus 15 Prozent).

Mitarbeiter: 43.000

Portfolio: 75 eigene Kliniken, darunter 51 Häuser der Akutversorgung und 24 Rehabilitationskliniken. Außerdem betreibt Helios 31 Medizinische Versorgungszentren.

Auch Ärzteteams aus erfolgreichen Kliniken des Verbunds kommen demnach in die neu akquirierten Häuser und geben ihre Erfahrungen weiter.

Zu Beginn macht Helios jeweils eine Potenzialanalyse anhand der Altersstruktur und der zu erwartenden Morbidität, auch der Marktanteil der Klinik wird analysiert.

"Das geht alles mit Daten aus dem Internet und einfacher Dreisatzrechnung", erläuterte Professor Ralf Kuhlen, als CMO bei Helios für die medizinische Entwicklung und das Qualitätsmanagement und -controlling zuständig.

Zu erwarten sei, dass dann, wenn das übernommene Klinikum in der Qualität besser wird, auch die niedergelassenen Ärzte wieder vermehrt in das Klinikum vor Ort überweisen, so Kuhlen.

Die gute Qualität ist damit Voraussetzung für den ökonomischen Erfolg.

Reduzierung der Verweildauer

Sehr viel könne man dann über eine Reduzierung der Verweildauer erreichen, berichtete Kuhlen weiter. Vergleichszahlen seien die DRG-Statistik und die Benchmark-Zahlen von Helios selbst.

In Duisburg habe sich ergeben, dass allein durch eine auf den Durchschnitt reduzierte Verweildauer 5.000 zusätzliche Fälle betreut werden können, "ohne einen einzigen Belegungstag mehr", sagte Kuhlen.

Eine Verkürzung der Verweildauer habe dabei nichts mit verfrühten Entlassungen zu tun - Kuhlen: "Jede Wiederaufnahme innerhalb von 30 Tagen geht ohnehin auf Kosten der Klinik" -, sondern es gehe um eine bessere Organisation, indem ein Rad ins andere greift und keine unnötigen Wartezeiten auf Untersuchungen entstehen.

Dadurch ergebe sich zwar eine Verdichtung der Arbeit für Ärzte und Pfleger, aber die Zahl der betreuten Patienten bleibt gleich. Um gegebenenfalls eine zu starke Belastung der Mitarbeiter zu erkennen, werte Helios zudem Patientenbefragungen monatlich aus. Auf diese Weise erkenne man sehr schnell Brennpunkte und könne reagieren, so Francesco de Meo.

Insgesamt zeigten die Zahlen, die Jörg Reschke beim Workshop vorgelegt hat, dass der Sanierungsplan mit den Renditezielen für die einzelnen Kliniken im Konzern offenbar einzuhalten ist. Bei den Akutkliniken sei man insgesamt im Plus, bei den Reha-Kliniken leicht im Minus, berichtete Reschke.

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