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Einfacher Infekt oder mehr?

Akuter Husten erfordert Diagnostik und Therapie mit Augenmaß

Akuter Husten ist ein häufiger Anlass, warum Patienten den Hausarzt aufsuchen. Zugrunde liegt meist ein akuter Infekt der Atemwege, da braucht es weder umfangreiche Diagnostik noch Therapie. Bei bestimmten Symptomen sollte man aber hellhörig werden.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
Risiko Pneumonie: Besondere Wachsamkeit ist ratsam bei Beschwerden wie Atemnot, Tachypnoe, Thoraxschmerzen und Tachykardie.

Risiko Pneumonie: Besondere Wachsamkeit ist ratsam bei Beschwerden wie Atemnot, Tachypnoe, Thoraxschmerzen und Tachykardie.

© Getty Images / Stockbyte

BERLIN. Eines der wichtigsten Instrumente bei der Einordnung eines akuten Hustens ist das Patientengespräch. Indem man detailliert Beschwerden erhebt, Vorerkrankungen erfasst und nach Erkältungskrankheiten von Familienangehörigen oder Kollegen fragt, lässt sich eine erste Abgrenzung zwischen harmlos und schwerwiegend vornehmen, erläutert die Allgemeinmedizinerin Dr. Sabine Gehrke-Beck von der Charité in Berlin (MMW 2017; S1/159: 44-48). Die körperliche Untersuchung vervollständigt schließlich das Bild.

Differenzialdiagnostik

Zu besonderer Wachsamkeit rät Gehrke-Beck bei Beschwerden wie Atemnot, Tachypnoe, Thoraxschmerzen, Hämoptoe und Tachykardie. Bei diesen Warnsymptomen können auch gefährliche Ursachen Auslöser für den Husten sein, so die Medizinerin und nennt Status asthmaticus, Lungenödem, Pneumothorax, Lungenembolie oder Fremdkörperaspiration als Beispiele für einen gefährlichen Verlauf. Jeder dahingehende Verdacht müsse umgehend abgeklärt werden, oft am besten stationär.

Doch auch wenn ein Husten ohne Warnsymptome in vielen Fällen durch eine Erkältung oder akute Bronchitis verursacht wird, ist eine Abgrenzung zu spezifischen Infekten der unteren Atemwege wie Influenza, Pertussis oder Pneumonie sowie zum allergischen Asthma und zur akuten Exazerbation einer COPD unbedingt erforderlich, weil das therapeutisch relevant ist, wie die Berliner Allgemeinmedizinerin erklärt.

Klagt der Patient über hohes Fieber sowie ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl und fallen bei der Untersuchung eine Tachypnoe sowie feinblasige Rasselgeräusche auf, ist an eine ambulant erworbene Pneumonie zu denken, die eine leitliniengerechte kalkulierte Antibiotikatherapie erfordert. Gehrke-Beck mahnt jedoch, dass gerade bei älteren Patienten eine ambulant erworbene Pneumonie nicht zwingend mit hohem Fieber einhergehen muss und oft auch typische Auskultationsbefunde fehlen. Das mache die klinische Diagnose manchmal schwierig, betont die Allgemeinmedizinerin und rät, bei entsprechendem Verdacht den Thorax in zwei Ebenen zu röntgen.

Kaum Verwechslungsgefahr mit einer banalen Erkältung gibt es bei einer Influenza. Plötzlicher Beginn mit hohem Fieber, Gliederschmerzen sowie stark reduziertes Allgemeinbefinden sprechen für sich. Eine routinemäßige Labordiagnostik wie Serologie oder Virus-Direktnachweis ist gemäß der aktuellenLeitlinie "Husten" der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM; Stand Februar 2014) nicht indiziert. Mit Hilfe einer Thorax-Röntgenaufnahme kann eine Pneumonie differenzialdiagnostisch oder als mögliche Komplikation der Influenza ausgeschlossen werden.

Ist der Husten besonders hartnäckig und bellend, muss auch Pertussis in Betracht gezogen werden. Die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn der Patient über Pertussisfälle im näheren Umfeld berichtet. Bei Erwachsenen sind atypische Verläufe nicht selten. Die Diagnosesicherung gestaltet sich jedoch schwierig.

Selbstlimitierende Infekte

Keine Notwendigkeit besteht, zwischen Erkältung und akuter Bronchitis zu differenzieren: Weil es sich in beiden Fällen um virale, selbstlimitierende Infekte handelt, die Übergänge fließend sind, und weil therapeutische Konsequenzen ausbleiben. Denn weder eine banale Erkältung noch eine unkomplizierte akute Bronchitis erfordert eine Antibiose, auch wenn dies in der Praxis nach wie vor bei manchen Patienten auf Skepsis stößt, wie Gehrke-Beck aus eigener Erfahrung weiß.

Mit Blick auf die Patientenzufriedenheit rät Gehrke-Beck, ausführlich zu erklären, warum auf Antibiotika verzichtet wird und den Spontanverlauf eines erkältungsbedingten Hustens zu skizzieren. Ebenso wichtig seien positive Behandlungsempfehlungen, nicht zuletzt, um die Autonomie der Patienten zu stärken.

Gehrke-Beck setzt dabei auf gängige Hausmittel und nichtmedikamentöse Ansätze, etwa viel Trinken oder Wasserdampfinhalation, auch wenn deren Wirksamkeit bislang nicht wissenschaftlich belegt ist. Eine gewisse Linderung sei auch von einigen pflanzlichen Hustenmitteln zu erwarten, etwa Präparaten mit Efeu-Thymian, Myrtol, Efeu-Primelwurzel sowie Pelargonium sidoides. Gegen Kopf- und Gliederschmerzen helfen Paracetamol oder Ibuprofen.

Zur Zurückhaltung rät Gehrke-Beck bei der Verordnung von Antitussiva. Die DEGAM empfiehlt, sie nur in Ausnahmefällen einzusetzen, etwa wenn dauernder Hustenreiz das Schlafen unmöglich macht. Aus der Gruppe der Antitussiva am besten untersucht sei das Codein, so Gehrke-Beck. Der Wirkstoff entfalte zwar bewiesenermaßen keinen hustenlindernden Effekt, könne aber den Schlaf verbessern. Die Ärztin rät jedoch ab von der Verordnung von Expektoranzien bei akuten Atemwegsinfekten und verweist dabei auf die aktuelle DEGAM-Leitlinie.

Warnsymptome

- Besondere Vorsicht ist geboten bei Husten plus Beschwerden wie Atemnot, Tachypnoe, Thoraxschmerzen, Hämoptoe und Tachykardie.

- Bei diesen Symptomen können gefährliche Ursachen Auslöser für den Husten sein, etwa ein Status asthmaticus, Lungenödem, Pneumothorax, Lungenembolie oder eine Fremdkörperaspiration.

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