Kommentar zum Thema Alkohol im Alter

Alkoholprävention bleibt wichtig

Zwar scheinen geringe Mengen Alkohol dem Hirn nicht zu schaden, sondern wohl sogar die Nervenzellen auf Trab zu halten. Aber wiegt dies Probleme wie das Suchtpotenzial oder die erhöhte Unfallgefahr auf?

Thomas MüllerVon Thomas Müller Veröffentlicht:

Es sind Studien, die Präventionsmedizinern sicher schwer im Magen liegen: Alkohol in Maßen genossen scheint nicht nur das kardiovaskuläre Risiko zu senken, sondern auch die Nervenzellen auf Trab zu halten. Immer mehr Studien finden auch für die Kognition eine J-förmige Verlaufskurve: Etwas Alkohol ist besser als keiner und besser als viel.

Konterkarieren solche Studien nun die Präventionsbemühungen vieler Suchtmediziner? Nein, das tun sie sicher nicht, denn niemand wird deswegen den Genuss von Alkohol empfehlen, dazu sind die möglichen positiven Effekte zu gering und die Risiken zu hoch, zudem liefern die Studien nur Assoziationen und keine Belege für einen Nutzen von Alkohol. Ein moderater Alkoholkonsum lässt sich kaum von anderen Lebensstilfaktoren trennen. Was da wie viel zu einem reduzierten Risiko beiträgt, bleibt offen.

Lesen sie auch

Allerdings sollte auch niemand den Fehler begehen, solche Studien aufgrund ihrer Unzulänglichkeiten als irrelevant zu betrachten, weil sie gerade nicht zur eigenen politischen Agenda passen. Dies geschieht leider viel zu oft. Umgekehrt wurden in den vergangenen Jahren immer wieder halbseidene Explorationsstudien zu Belegen für die Schädlichkeit bestimmter Substanzen hochgejazzt, die keiner seriösen statistischen Prüfung standhalten. Dies trifft vor allem auf Cannabis zu.

Wenn selbst Fachgesellschaften wie die Kardiologengesellschaft ESC auf solche Studien verweisen, stehen dahinter wohl eher politische als wissenschaftliche Motive. Diese schadet jedoch dem Ansehen der medizinischen Forschung, die neue Erkenntnisse gewinnen und nicht Wunschdenken bestätigen sollte.

Klar zu trennen ist daher die wissenschaftliche Evidenz von den daraus ableitbaren Empfehlungen, die durchaus politisch motiviert sein können: Es gibt genügend Gründe, vor Alkohol zu warnen – das Suchtpotenzial, die erhöhte Unfallgefahr, das Risiko für Gewalttaten. Auch wenn geringe Mengen Alkohol dem Hirn nicht schaden, durch diese Erkenntnis ändert sich nichts an den anderen Problemen.

Schreiben Sie dem Autor: thomas.mueller@springer.com

Mehr zum Thema

Kritik des bayerischen Gesundheitsministers

Holetschek: Cannabis wird verharmlost

Das könnte Sie auch interessieren
Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

© Tania Soares | EyeEm

Corona und Depression

Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

© koto-feja, LordRunar | iStock

So wirkt Johanniskraut

Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

© ChristianChan | iStock

Depressionen behandeln

Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Nach ersten Kassen-Daten zu den Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung waren COVID-19-Patienten, die im Krankenhaus beatmet werden mussten, anschließend durchschnittlich 190 Tage lang krankgeschrieben.

© © nmann77 / Fotolia

Neue Studie der Techniker

Erst Corona, dann Long-COVID, anschließend lange AU