Hintergrund

Außerklinische Beatmung lässt Lungenkranke länger leben

Beatmung zu Hause verbessert bei Lungenkranken nicht nur die Lungenfunktion, sie verlängert auch das Leben.

Von Ingrid Kreutz Veröffentlicht: 28.05.2010, 05:00 Uhr

Die außerklinische Beatmung kann nicht nur physiologische Parameter wie die Blutgasanalyse und die Lungenfunktion verbessern, mit einer Steigerung der alveolären Ventilation lässt sich zusätzlich auch das Langzeitüberleben verlängern und die Lebensqualität erhöhen. Darauf weist Dr. Michael Dreher von der Universitätsklinik Freiburg hin (Pneumologe 2010; 7: 114).

Kandidaten für die langfristige außerklinische Beatmung - auch Noninvasive Positive Pressure Ventilation (NPPV) genannt - sind vier Patienten-Gruppen: Patienten mit COPD, thorakal-restriktiver Erkrankung, Adipositas-Hypoventilations-Syndrom (OHS) oder neuromuskulärer Erkrankung. Grundsätzlich müssen für eine langfristige NPPV drei Voraussetzungen erfüllt sein: Es muss eine Grunderkrankung vorliegen, die eine ventilatorische Insuffizienz nach sich ziehen kann. Es muss der objektive Nachweis einer chronischen ventilatorischen Insuffizienz geführt werden. Und es müssen Symptome vorliegen, die sich durch eine ventilatorische Insuffizienz erklären lassen, etwa Dyspnoe, Abgeschlagenheit, unerholsamer Schlaf oder eingeschränkte Leistungsfähigkeit.

Allerdings ist die Prognose mit NPPV wesentlich von der zugrunde liegenden Erkrankung abhängig. Nach den Ergebnissen unkontrollierter Studien wird das Langzeitüberleben bei den meisten Patientengruppen zum Teil erheblich verlängert im Vergleich zu historischen Kollektiven. Das gilt vor allem für Patienten mit thorakal-restriktiven Erkrankungen und solche mit neuromuskulären Erkrankungen. So liegt die Fünfahres-Überlebensrate bei Patienten mit Duchenne-Muskeldystrophie nach Einleitung einer langfristigen NPPV bei mehr als 80 Prozent. Bei unbehandelten Patienten-Gruppen betrug das mediane Überleben dagegen nur zehn Monate. Retrospektive Analysen zeigen auch beim OHS den Vorteil der außerklinischen Beatmung. Und für Patienten mit stabil hyperkapnischer COPD ergaben unkontrollierte Studien eine Fünfjahres-Überlebensrate von 58 Prozent mit langfristiger NPPV. In kontrollierten Studien gelang ein solcher Nachweis bisher jedoch nicht.

Einen günstigen Einfluss hat die außerklinische Beatmung auch auf die Lebensqualität. Zur Beurteilung wurde speziell ein Fragebogen entwickelt, der Servere Respiratory Insufficiency (SRI) Questionnaire. Eine aktuelle deutsche Studie hat ergeben, dass sich die Lebensqualität bereits nach einem Monat mit NPPV deutlich verbessert und auch im darauf folgenden Jahr erhalten bleibt.

In einzelnen Bereichen der Lebensqualität gibt es jedoch Unterschiede im Therapieerfolg, und zwar je nach Grunderkrankung. So führen die verringerten Symptome bei COPD, OHS und thorakal-restriktiven Erkrankungen zu einer steigenden körperlichen Aktivität. Dies ist bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen aufgrund der Lähmungen jedoch nicht der Fall. Patienten aus dieser Gruppe profitieren von der außerklinischen Beatmung am meisten durch eine bessere Schlafqualität. Bei COPD-Kranken verbessert die außerklinische Beatmung die Gesamtlebensqualität in gleichem Maße wie bei Patienten mit restriktiven Erkrankungen.

Mehr Infos bietet die S2-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur nichtinvasiven und invasiven Beatmung auf: www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/020-008.pdf

Wann ist bei COPD eine Beatmung nötig?

Bei COPD ist eine außerklinische Beatmung bei mindestens einem der folgenden Kriterien nötig:

  • Chronische Tageshyperkapnie mit paCO2 min. 50 mmHg
  • Nächtliche Hyperkapnie mit paCO2 größer 55 mmHg
  • Stabile Tageshyperkapnie mit paCO2 46-50 mmHg und Anstieg des ptcCO2 um mindestens 10 mmHg während des Schlafs
  • Stabile Tageshyperkapnie mit paCO2 46-50 mmHg und min. zwei hospitalisationspflichtige Exazerbationen mit respiratorischer Azidose innerhalb von 12 Monaten
  • Eine direkt vorangehende beatmungspflichtige Exazerbation
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