Verdrängung anderer Keime

Bakterien beeinflussen Hautbarriere bei Neurodermitis

Auf der Haut von Neurodermitis-Kranken dominieren oft Staphylokokken – insbesondere Staphylococcus aureus scheint andere Keime zu vertreiben. Dies hat wohl Auswirkungen auf Gene für die Hautbarriere.

Veröffentlicht: 13.08.2018, 11:43 Uhr
Bakterien beeinflussen Hautbarriere bei Neurodermitis

§-D-Illustration von Staphylococcus aureus: Der Erreger verdrängt wohl andere Staphylokokken bei Neurodermitis-Patienten.

© fotovapl / stock.adobe.com

MÜNCHEN. Dass bestimmte Bakterien auf der Haut von Menschen mit Neurodermitis besonders häufig vorkommen, war bereits bekannt. Ebenso, dass die Barriere-Funktion der Haut unter der Krankheit leidet. Münchner Forscher haben nun ermittelt, wie das zusammenhängen könnte (J Allergy Clin Immunol 2018; online 23. Juli).

Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob zwischen Bakterien und Genen der Hautbarriere mögliche Korrelationen bestehen, berichtet die Technische Uni München (TUM). Dazu sammelten sie Hautproben von gesunden Probanden sowie von Menschen mit Neurodermitis.

Bei Letzteren unterschieden sie die Proben je nachdem, ob der Hautbereich entzündet war oder nicht. "Von den Patienten- und Kontrollproben ermittelten wir sowohl die Zusammensetzung der Hautbakterien, als auch jene Gene, die in der betroffenen Haut besonders aktiv waren", wird einer der Autoren, Professor Avidan Neumann, in der TUM-Mitteilung zitiert.

Staphylokokken bei Erkrankten dominant

Bei der Analyse fiel auf, dass vor allem Staphylokokken auf der Haut von Neurodermitikern dominierten. Besonders häufig war Staphylococcus aureus, unabhängig davon, ob die betroffene Haut entzündet war oder nicht. "Bei bestimmten entzündeten Proben nahm S. aureus sogar bis zu 99 Prozent der gesamten mikrobiellen Zusammensetzung ein", erklärt Autor Dr. Matthias Reiger.

"Zudem scheint S. aureus die anderen Staphylokokken zu verdrängen", so der Mikrobiologe weiter. "Je öfter wir S. aureus finden, desto seltener sind andere Spezies präsent."

Zusammen mit Schweizer Forschern analysierte das Münchner Team das gesamte Transkriptom der Hautproben. Dabei fiel ihnen auf, dass sich manche Gene signifikant veränderten, je nachdem welche bakteriellen Bewohner auf der Haut lebten. "Besonders ausgeprägt war dieser Effekt für vier Gene, die an der Instandhaltung einer intakten und stabilen Hautbarriere beteiligt sind", erklärt Neumann.

Die Autoren planen bereits den nächsten Schritt: Auf Basis der einfachen Zusammenhänge zwischen Bakterien und Hautbarriere soll nun ein funktionelles Verständnis erforscht werden. (eb)

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