Suchtkrankheiten

Bald neue Empfehlungen zu Lungenhochdruck

WIESBADEN (skh). Patienten mit pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH) könnten künftig, anders als in bisherigen Leitlinien empfohlen, schon in frühen Stadien mit spezifischen Medikamenten behandelt werden. Außerdem sprechen immer mehr Studien für Kombitherapien mit Prostazyklin-Analoga, Endothelin-Antagonisten und PDE-5-Hemmern.

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Spezifische Wirkstoffe zur Therapie bei PAH sind bislang lediglich für Patienten in den WHO-Funktionsklassen III und IV zugelassen. Dass sich dies demnächst ändern könnte, dafür sprächen etwa Daten der EARLY-Studie, wie Professor Ralf Ewert aus Greifswald berichtet. Darin wurden 93 PAH-Patienten in der WHO-Klasse II mit dem dualen Endothelin-Antagonisten Bosentan (Tracleer®) behandelt und 92 Patienten bekamen ein Scheinmedikament.

Primäre Endpunkte der Studie waren eine Verbesserung des pulmonalen Gefäßwiderstandes in Ruhe und/oder der Sechs-Minuten-Gehstrecke sechs Monate nach Beginn der Behandlung. Der Gefäßwiderstand sank signifikant um 22 Prozent, die Sechs-Minuten-Gehstrecke stieg immerhin tendenziell um 19 Meter, so Ewert beim Internisten-Kongress in Wiesbaden.

Zudem verlängerte sich signifikant die Zeit, bis sich der klinische Zustand der Patienten verschlechterte. Dieser Parameter war jedoch lediglich ein sekundärer Endpunkt der Studie. Sie ist nach Ewerts Angaben bisher die weltweit einzige Studie, in die ausschließlich Patienten mit milder symptomatischer PAH aufgenommen wurden.

Eine andere Untersuchung, die COMPASS-1-Studie, habe zudem die Wirksamkeit von Kombinationstherapien bei PAH belegt, so Ewert weiter bei einer vom Unternehmen Actelion unterstützten Veranstaltung. Darin erhielten 40 Patienten, die mit Bosentan behandelt wurden, eine einmalige Dosis des Phosphodiesterase-5-Hemmers Sildenafil. Eine Stunde nach der Einnahme von 25 mg Sildenafil sanken der pulmonale Gefäßwiderstand der Patienten um durchschnittlich 15 Prozent und der pulmonal-arterielle Widerstand um 9 Prozent (Eur Heart J 28, 2007, Abstract Supplement 140).

Professor Marius Hoeper von der Medizinischen Hochschule Hannover berichtete zudem von der PAH-Tagung "Update World Meeting PH 2008" die im Februar in den USA stattgefunden hat. Die Neuigkeiten: Weil immer mehr Studien zur Therapie mit Endothelin-Antagonisten oder PDE-5-Hemmern bei PAH in der WHO-Klasse II vorliegen, wird die spezifische medikamentöse Behandlung dieser Patienten in künftigen Leitlinien empfohlen werden, so Hoepers Prognose. Neu sei außerdem die Empfehlung, Patienten in den WHO-Funktionsklassen III und IV bei unzureichendem Ansprechen auf Endothelin-Antagonisten, PDE-5-Hemmer oder Prostazykline künftig mit Kombinationen dieser drei Wirkstoffklassen zu behandeln.

STICHWORT

Symptome bei Lungenhochdruck

Meist sind die Symptome bei Patienten mit PAH nur unspezifisch. Am häufigsten kommen vor:

  • unklare Dyspnoe
  • Schwindel bei Lagewechsel und Abgeschlagenheit
  • systolisches Herzgeräusch
  • Betonter zweiter Herzton bei niedrigem systemischem Blutdruck
  • Neigung zu Ödemen an den Unterschenkeln
  • Raynaud-Symptomatik etwa bei Patienten mit bis dahin unbekannten Bindegewebserkrankungen. (skh)
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