Direkt zum Inhaltsbereich

Besonderer MRSA-Keim gefährdet vor allem Kinder

MÜNCHEN (wst). Noch sind sie selten, aber ein Trend nach oben ist erkennbar: ambulant erworbene Infektionen mit einem gefährlichen Stamm Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA). Der Keim ist durch Gene von Bakterienviren (Phagen) besonders aggressiv.

Veröffentlicht:

Der Erreger enthält das von Phagen stammende porenbildende Toxin Panton-Valentine-Leukozidin (PVL). Was den MRSA so gefährlich macht, ist weniger die Antibiotika-Resistenz als vielmehr die Fähigkeit, mit PVL die Leukozyten und Makrophagen abzutöten. Damit wird eine wichtige Abwehr des Körpers gegen Staphylokokken unterlaufen.

Verdächtig ist, wenn ein Mensch ohne Risikofaktoren für Abwehrschwächen plötzlich multiple rezidivierende Abszesse oder schwere Systeminfektionen bekommt. Bei solchen Infekten, etwa einer nekrotisierenden Pneumonie oder einer Fasziitis, sollte als Ursache der Keim erwogen werden. Das sagt Privatdozent Hans-Jörg Linde vom Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Regensburg.

Da Kinder überproportional häufig betroffen sind, sollten sich vor allem auch Pädiater der neuen Gefahr bewusst sein. In Deutschland gibt es für MRSA-Infektionen bisher keine Meldepflicht. Aus dem überwiegend ostbayerischen Einzugsgebiet wurden im Labor von Linde zwischen 1995 und 2006 Proben von 444 Patienten PVL-MRSA positiv getestet, wie Linde bei der Tagung "2. Münchner AIDS-Werkstatt" berichtet hat.

Ein wichtiger Risikofaktor der Infektion ist ein direkter oder indirekter Hautkontakt mit Infizierten, etwa bei Kampfsportarten, sexuellen Aktivitäten oder auch bei Sauna- oder Whirlpoolbesuchen. Linde berichtete von einem Ausbruch bei einer Feuerwehrmannschaft. Übertragen wurde der Erreger dadurch, dass mehrere Personen an unterschiedlichen Tagen dieselbe Schutzkleidung getragen hatten.

Oft beschränkt sich die Infektion auf multiple, anfangs vielleicht mückenstichartige oberflächliche Abszesse, die zu einem bisher unbekannten Anteil von selbst wieder ausheilen. Sie können sich aber auch plötzlich und ohne erkennbaren Anlass zu tieferen Weichteilinfektionen, bis hin zu massiven nekrotisierenden Prozessen, systemischen Infektionen oder dem destruktiven Befall von Organen wie der Lunge ausweiten. Durch eine frühe Diagnose anhand von Wundabstrichen und Abszessmaterial sowie mit einer raschen chirurgischen und antibiotischen Therapie ließen sich Verläufe mit potenziell tödlichem Ausgang und die weitere Verbreitung des Keims in der Bevölkerung abwenden, so Linde.

Da PVL-tragende MRSA konventionell nicht von anderen MRSA abgegrenzt werden können, ist bei Verdacht auf den gefährlichen Erreger der molekularbiologische Nachweis der für PVL kodierenden Gene lukS und lukF mit der Polymerasekettenreaktion ausschlaggebend. Bei Kontaktpersonen eines PVL-MRSA-Infizierten sollte ebenfalls auf eine Infektion und auf asymptomatischen Trägerstatus hin untersucht werden.

Weitere Informationen zu MRSA unter www.rki.de

Mehr zum Thema

Sie fragen – Experten antworten

Kann sich Herpes zoster nach der Varizellen-Impfung entwickeln?

Pharmazeutische Dienstleistungen

Nachfrageschub für Grippeimpfung in Apotheken – aber auf Niedrigstniveau

Innovative Therapieansätze

Mit Fischhaut gegen den diabetischen Fuß

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Deprescribing PPI

Protonenpumpenhemmer absetzen: Wie das am besten gelingt

Patienten häufigste Täter

Medizinstudierende erleben sexuelle Belästigung vor allem im PJ

Hypercholesterinämie

Lipidsenker klug kombinieren

Lesetipps
Eine Ärztin spricht mit einer älteren Patienten. Die Patientin lächelt.

© StefaNikolic / stock.adobe.com

Sprechende Medizin

4 Tipps: So können Sie den Placebo-Effekt für die Therapie nutzen

Ein Arzt spricht mit einer Patientin

© K Davis/peopleimages.com / stock.adobe.com

Interview

Patient mit Mundgeruch: Wie Sie das im Patientengespräch ansprechen

Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa und verschränkt ihre Arme, um ihre Hände auf die Brust zu legen.

© Yauhen / Stock.adobe.com

Psychologische Interventionen

Sprechende Medizin: 10 Schritte bei chronischen Schmerzen