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RKI-Schätzungen für Deutschland

Bis zu 20.000 Tote durch nosokomiale Infektionen

Neue Schätzungen des Robert Koch-Instituts gehen hierzulande von jährlich 400.000 bis 600.000 nosokomialen Infektionen aus. Im EU-Vergleich steht Deutschland damit schlecht da.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
Deutschland hat im EU-Vergleich die höchste Zahl an Krankenhausbetten.

Deutschland hat im EU-Vergleich die höchste Zahl an Krankenhausbetten.

© andresr / Getty Images / iStock

Berlin. Die Zahl der nosokomialen Infektionen in Deutschland liegt laut aktueller Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) bei 400.000 bis 600.000 pro Jahr und damit über dem europäischen Schnitt (Eurosurveillance 2019; 24:46).

Eine wesentliche Ursache für die in Deutschland hohen Zahlen ist die höhere Zahl stationär behandelter Patienten und Krankenhausbetten, berichtet das RKI aus Anlass der Publikation: Deutschland habe in Europa die höchste Anzahl an Krankenhausbetten und die zweithöchste Anzahl an Krankenhauspatienten pro 1000 Einwohner und Jahr.

Masse macht den Unterschied

Relativ gesehen ist in Deutschland das Risiko für einen Patienten, sich bei einem Krankenhausaufenthalt zu infizieren, mit rund 3,6 Prozent niedriger als im EU-Durchschnitt (5,5 Prozent). Die Masse macht demnach den Unterschied: „Eine Reduktion vermeidbarer Krankenhausaufenthalte und eine effektive Infektionskontrolle und -prävention sind wichtige Schritte, um die Krankheitslast zu verringern“, wird RKI-Präsident Professor Lothar Wieler in der Mitteilung zitiert.

Die neuen Berechnungen, die das RKI gemeinsam mit der europäischen Seuchenbehörde ECDC und der Charité Universitätsmedizin Berlin veröffentlicht hat, basieren auf einer weiterentwickelten Methode, die verlässlichere Ergebnisse liefern soll. „Die Zahl der [durch nosokomiale Infektionen verursachten] Todesfälle kann verlässlicher erfasst werden und liegt jetzt bei 10.000 bis 20.000. Eine frühere Schätzung hatte 10.000 bis 15.000 Todesfälle pro Jahr ergeben“, berichtet das RKI.

Erstmals DALY berechnet

Mit der neuen Methode wurde erstmals für Deutschland auch die Krankheitslast in Disability-Adjusted Life-Years (DALY) berechnet, also die durch Krankheit und Tod verlorenen Lebensjahre. Mit diesem Wert lasse sich der Schaden für die Gesundheit der Bevölkerung besser abbilden und mit anderen Krankheiten vergleichen, so Wieler.

Für Deutschland berechnet die Studie die Zahl der durch nosokomialen Infektionen verlorenen Lebensjahre auf 250.000 pro Jahr (309 Jahre pro 100.000 Einwohner). Auch mit diesem Wert liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt.

Die Wissenschaftler um Dr. Benedikt Zacher vom RKI hatten für die Studie fünf Infektionen betrachtet, die fast 80 Prozent der im Krankenhaus erworbenen Infektionen ausmachen: Pneumonien, Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen, Clostridium difficile-Infektionen und Sepsen. Die Daten stammen aus der Punktprävalenzstudie 2011/2012 des Nationalen Referenzzentrums.

Zacher und seine Kollegen geben allerdings zu bedenken, dass sich Todesfälle durch nosokomiale Infektionen im Allgemeinen schwer bestimmen lassen, besonders weil viele Betroffene an schweren Grundkrankheiten leiden, die bereits ohne Krankenhausinfektion häufig zum Tod führen.

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