Cerumen: Spülen ist OK, Wattestäbchen aber nicht

BERLIN (gvg). Immer mal wieder kommen Patienten mit einem durch Cerumen verlegten Gehörgang in die Sprechstunde von HNO-Ärzten aber auch Allgemeinmedizinern. Seit Kurzem gibt es für dieses Alltagsproblem eine eigene Leitlinie.

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Erstellt wurde die Leitlinie von HNO-Ärzten um Professor Peter Roland aus Dallas. Professor Heinrich Iro von der HNO-Klinik der Universität Erlangen hat das 22-seitige Papier beim Praxis Update 2009 in Berlin vorgestellt.

Grundsätzlich würden in der Leitlinie die mechanische Entfernung, die Wasserspülung und der Einsatz von Cerumenlösern als adäquate Therapiemaßnahmen angesehen, so Iro. Allerdings gibt es Unterschiede, was die jeweilige Technik angeht. So sollte die mechanische Entfernung durch HNO-Spezialisten mit entsprechendem Equipment erfolgen. Vom Einsatz von Wattestäbchen durch Patienten oder Allgemeinarzt rät die Leitlinie dagegen ab, weil die Anwendung von Wattestäbchen das Cerumen eher verfestigt.

Auch bei der Spülung kommt es auf die Technik an. "Eine Spülung des äußeren Gehörgangs mit einer Spritze ist eine in der allgemeinmedizinischen Praxis gut einsetzbare Therapieoption", so Iro. Anders als bei der thermischen Nystagmusprüfung sollte dafür allerdings möglichst exakt körperwarmes Wasser eingesetzt werden. Sonst reinigt man zwar das Ohr, produziert dafür aber Schwindelsymptome. Als nicht geeignet für die Cerumen-Entfernung sieht die US-Leitlinie die Selbsttherapie mit Hilfe von Mundduschen an.

Dagegen eignen sich Cerumenlöser, die meist als Ohrentropfen angeboten werden, prinzipiell für die Selbsttherapie. Öl- und wasserbasierte Präparate sind demnach gleich wirksam. Geachtet werden muss auf das allergene Potenzial dieser Therapien: Sie können teilweise eine Gehörgangsdermatitis verursachen, die die Symptome dann eher verstärkt.

Praxis Handbuch

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