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Schwere Tuberkulose

Chancen auf Heilung besser als gedacht

Die Heilungschancen für Patienten mit multiresistenter Tuberkulose sind viel besser als bisher angenommen, wenn "Heilung" anders definiert wird als von der WHO. Das hat eine Studie an 23 Behandlungszentren in Europa ergeben.

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Mykobakterien: Bei Tuberkulose ist das Ausbleiben eines Rückfalls ein sehr gutes Kriterium für Heilung.

Mykobakterien: Bei Tuberkulose ist das Ausbleiben eines Rückfalls ein sehr gutes Kriterium für Heilung.

© zentilia / fotolia.com

BORSTEL. Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat die Behandlungserfolge bei Patienten mit schwerer Tuberkulose über fünf Jahre detailliert dokumentiert und dabei auch die derzeit von der WHO verwendeten Definitionen für "Heilung" überprüft.

Die Studie an 23 Behandlungszentren in Europa zeigte, dass die Heilungschancen viel besser sind als bisher angenommen – sobald vereinfachte und aussagestärkere Definitionen als die der WHO verwendet wurden (N Engl J Med; 2016; 375: 1103-1105). Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) am Forschungszentrum Borstel haben die Studie koordiniert.

Die Anzahl an Patienten, die mit multiresistenten Tuberkulosebakterien (MDR-TB) identifiziert wurden, hat in den letzten Jahren zugenommen, auch in Europa, teilt das DZIF mit. Die Aussichten für diese Patienten, erfolgreich geheilt zu werden, galten bislang als gering.

Nach den Kriterien der WHO sind es in Europa nur 31 Prozent, bei denen von Heilung gesprochen werden kann. Dabei umfasst die WHO-Definition von Heilung, dass nach erfolgreichem Abschluss der intensiven Therapie drei Kontrollen auf Tuberkulosebakterien im Sputum der Patienten negativ sind, heißt es in der Mitteilung.

Studie mit 380 Patienten

In einer internationalen Studie wurden die WHO-Kriterien überprüft und mit neu entwickelten Kriterien verglichen. Gemeinsam mit Ärzten des TBNET (Tuberculosis Network European Trialsgroup) zeichneten Wissenschaftler des Forschungszentrums Borstel fünf Jahre lang die Therapieverläufe von 380 Patienten an 23 Behandlungszentren in Europa auf – beginnend vom Zeitpunkt der Diagnose bis ein Jahr nach Beendigung der Therapie.

"Wir haben festgestellt, dass die WHO-Kriterien für die Mehrzahl der Patienten in Westeuropa nicht anwendbar sind, da die geforderten Untersuchungen in der klinischen Praxis gar nicht durchgeführt werden", wird Dr. Gunar Günther vom Klinischen Tuberkulosezentrum des DZIF am Forschungszentrum Borstel in der Mitteilung zitiert. Der Grund: "In dieser Phase der Behandlung können die meisten Patienten kein Sputum mehr produzieren."

Die Wissenschaftler entwickelten daraufhin für die Studie vereinfachte und aussagekräftigere Kriterien für die Behandlungsergebnisse bei multiresistenten Tuberkulose-Patienten. Danach, so zeigten die Therapieverläufe, kann man von Heilung sprechen, wenn sechs Monate nach Beginn der Therapie keine Bakterien nachgewiesen werden können und es außerdem ein Jahr nach Therapieende zu keinem Rückfall kommt. "Diese Kriterien sind nicht nur einfacher zu bestimmen, die Ergebnisse sind auch stimmiger", erklärt Studienkoordinator Professor Christoph Lange vom Forschungszentrum Borstel.

Denn ähnlich wie bei Krebspatienten ist das Ausbleiben eines Rückfalls ein sehr gutes Kriterium für Heilung. "Die meisten Rückfälle treten innerhalb eines Jahres nach Beendigung der Behandlung auf", erklärt Lange. Bei den WHO-Kriterien sei eine Nachbeobachtungszeit nicht vorgesehen, kritisiert der Forscher.

Nach den neuen, aussagekräftigeren Kriterien konnten die Forscher eine rückfallfreie Heilung in 61 Prozent der MDR-TB-Fälle feststellen, das heißt, die Heilungschancen waren insgesamt etwa doppelt so hoch wie bei der Anwendung der WHO-Kriterien. "Für die betroffenen Patienten ist das sehr ermutigend", sagt Lange.

Hoffnung ja, Entwarnung nein

Auch wenn die Ergebnisse ermutigend sind, geben die Forscher keine Entwarnung im Hinblick auf resistente Tuberkuloseerreger. Lange: "Es gibt noch viel zu tun, denn mindestens ein Drittel der Patienten können aktuell nicht geheilt werden. Wir sind dennoch optimistisch, dass wir durch personalisierte Medizin und individuelle Behandlungskonzepte in Zukunft die Heilungschancen auch dieser Patienten noch einmal deutlich verbessern können." (eb)

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